Scre4m – Scream 4

New decade. New Rules.

 

Zehn Jahre nach dem Woodsboro-Massaker kehrt Sidney Prescott (Neve Campbell), mittlerweile erfolgreiche Autorin, in ihren Heimatort und den Ort des Verbrechens zurück, um eine Autogrammstunde zu geben.
Zur selben Zeit geschehen neue Morde.
Dewey Riley (David Arquette), der mittlerweile zum Sheriff des Orts geworden ist, stellt zusammen mit seiner Frau Gale Weathers-Riley (Courteney Cox) Nachforschungen an, während der Killer ein Katz-und-Maus-Spiel mit Sidney startet, von welchem auch ihre Tante Kate (Mary McDonnell) und Cousine Jill (Emma Roberts) sowie deren Freunde nicht verschont bleiben sollen…

Welcome home, Sidney. You’re a survivor, aren’t you, Sidney? What good is it to be a survivor when everyone close to you is dead? You can’t save them. All you can do… is watch.

Ich erlaube mir einen kleinen Rückblick.

Scream nahm ganz allgemein die Slasherfilme auf die Schippe. Lange nicht die erste Parodie der Filmgeschichte, sicher auch nicht die beste, ohne Zweifel jedoch eine sehr gute und vor allem richtungsweisende. Nicht nur hat der Film eine Reihe mehr oder weniger gute (teils auch unglaublich schlechte) Parodien ausgelöst, auch dem Slasherfilm als ganzes Genre hat er nach einer langen Dürreperiode neues Leben eingehaucht.

Teil 2 widmete sich den Fortsetzungen. Die Regeln wurden – ganz wie in den Vorlagen – erweitert, ergänzt.

Im dritten Teil waren die großen Trilogien das Ziel der Parodie. Der Film war zwar der schwächste Teil der Reihe, aber das immer noch auf relativ hohem Niveau.

Scream 4 setzt nun auf sehr konsequente und unglaublich gute Weise diese Reihe fort. Und ist gleichzeitig ein Reboot, ein Neuanfang. Ein bisschen Remake. Ein Film, der sich selbst von Anfang bis Ende wirklich nie ernst nimmt und unglaublich gekonnt mit der Erwartungshaltung der Fans spielt. Ein Film, der die Parodie auf die Spitze treibt. Ein wahrer Höhepunkt.

Alles, und ich meine wirklich alles, was seit dem dritten Teil in der Filmwelt passiert ist, wird sehr gekonnt verarscht. Das ist einiges!

Die komplette Saw-Reihe, die mittlerweile sieben Filme umfasst, entstand zwischen den Scream-Teilen 3 und 4. Die Torture-Porn Welle wurde von Hostel und ähnlichen Filmen losgetreten und hat uns im wahrsten Sinne des Wortes überschwemmt.
Viele endlose Fortsetzungen wurden gedreht. Ein Remake nach dem anderen wurde auf die Kinogänger losgelassen, dazwischen hin und wieder ein Reboot, der neueste Trend im Filmgeschäft. Etwas wirklich neues fällt der „Ideenschmiede“ aus Hollywood immer seltener ein; warum auch, bekannte Franchises ziehen immer noch genug Geld in die Kasse ohne so viel Aufwand oder Kreativität zu erfordern wie eine Neuentwicklung.

All das, wirklich alles, ohne Ausnahme, nimmt Scre4m in nur 111 Minuten absolut großartig aufs Korn. Einschließlich seiner eigenen Vorgänger, deren Nachfolger, Mitläufer und Plagiate.
Und dort ist noch lange nicht Schluss. Die komplette heutige Jugend, die ganze Internetgeneration, wird sehr genau abgebildet und gleichzeitig angenehm übertrieben parodiert.

Ghostface ist nicht mehr nur unheimlicher Anrufer, er ist gleichzeitig auch Facebook-Stalker und Videoblogger, er streamt seine Morde schon während sie passieren live ins Internet. Jedes Opfer hat ein Smartphone dabei und kann immer und überall dem Killer und seinen Spielen ausgeliefert sein. Auf die Presse ist man schon lange nicht mehr angewiesen, das Neueste über die gerade passierten Morde erfährt man viel direkter. Das ganze Klassenzimmer weiß Bescheid, bevor der erste Pressewagen oder Polizist auftauchen kann.

– Dewey, what’s going on?

– That is not public information.

– It’s all over the Internet!

– It is?

Damit macht der Film auch vor den noch brandaktuellen Mockumentaries nicht halt. Diese Handkameramethode, das „embedded filmmaking“, wurde nicht vergessen, sondern als eine der nötigen Weiterentwicklungen der Filmfreaks instrumentalisiert, die in der Reihe schon immer zentrales Thema waren. Und auch das ist sehr gut gelungen!

Alle wichtigen Charaktere, die die Reihe zu dem gemacht haben was sie heute ist, sind natürlich weiterhin dabei und bleiben ihrer Rolle gleichzeitig treu, während sie diese noch weiter entwickeln.
Aber auch die neue Generation der Opfer und Killer ist sehr gut getroffen. Bis in die letzte kleine Nebenrolle ist das ganze Werk perfekt besetzt, angefangen bei den sehr amüsanten Auftritten von Kristen Bell und Anna Paquin bis hin zu den Hauptrollen, die teils mit bekannten (zum Beispiel Hayden Panettiere) und teils mit neuen Gesichtern ausgefüllt sind.

Die Morde sind größtenteils eine sehr gezielte Hommage an den ersten Teil, sind fast immer im Stil des Originals gehalten. Hier hat man es gar nicht nötig, auf andere Vorlagen zurück zu greifen, die Reihe selbst hat mittlerweile genügend Stoff geliefert! Weder wird übertrieben brutal vorgegangen, noch zu blutleer – ganz im Gegenteil, die Mischung passt. Der Bodycount ist hoch genug, nie gibt es längere Pausen dazwischen, Langeweile kann man dem Film absolut nicht vorwerfen. Kreativität schon eher.

– I’ll be right back.

– I know this one, you’re not supposed to say that, are you?

Und nicht zuletzt wird das bereits aus den Vorgängern bekannte Muster „Film im Film (im Film)“ nicht nur wieder aufgegriffen, sondern es wird vollkommen perfektioniert mit „Stab 7“, der eine gezielte Anspielung (auf die oft auch namentlich erwähnte)Saw-Reihe darstellt.

Einer der Höhepunkte des Films ist der jährliche „Stab-A-Thon“. Alle sieben „Stab“-Filme sollen am Stück auf einer Art Festival gezeigt werden. Es ist vollkommen klar und selbstverständlich, dass unter den dutzenden Maskenträgern auch der echte Killer auftauchen und sein Unwesen treiben wird. Aber wen stört das schon?

Fun fact: Robert Rodriguez wird in den Credits der „Stab“-Filme als Regisseur genannt. Das war schon im zweiten Teil so gemacht worden und stellt mittlerweile einen Running Gag dar.

Scream 4 ist ohne jeden Zweifel die bisher beste Fortsetzung des Originals und gleichzeitig noch so viel mehr. Man bekommt genau das, was man als Fan der Reihe erwartet, wird aber dennoch immer wieder von neuen lustigen Einfällen und kreativen Ideen überrascht.

Ich hoffe, dass Wes Craven und Kevin Williamson an diesem Punkt aufhören, den genau jetzt ist die Reihe vollständig und perfekt abgeschlossen. Zumindest, bis ein paar weitere Jahre ins Land gezogen sind und die Filmwelt wieder ein paar neue Vorlagen geliefert hat.

FFFN 2011 #4 – The Troll Hunter [Trolljegeren]

Weiter geht es mit Film Nummer vier, dann wären wir auch schon fast beim Finale des Freitags angelangt.

Troll Hunter ist ein norwegischer Beitrag zum Festival. Während der Film von einigen scheinbar schon länger gespannt erwartet wird, hatte ich auch hier im Vorfeld keine Erwartungen oder Vorstellungen. Ausser dem Begriff „Mockumentary“ war mir nichts bekannt. Und das war gut so, denn umso mehr und umso positiver hat mich der Film überrascht.

Über die Auswahl dieses Filmes habe ich mich zuerst ein klein wenig gewundert, da er in kurzer Zeit noch regulär im Kino zu sehen sein wird. Eher selten, dass so ein Film dann im Rahmen dieses Festivals läuft. Aber nach dem Genuss des Films im norwegischen O-Ton mit englischen Untertiteln will ich nichts dagegen gesagt haben, denn er hat von Anfang bis Ende gerockt und sich als das zweite Highlight des Festivals herausgestellt.

Prinzipiell ist der Film erstmal eine Handkamera-Mockumentary. Diese Filmwelle fand ihren Ursprung mehr oder weniger durch den hierzulande indizierten Klassiker Cannibal Holocaust, der leider und völlig zu Unrecht bis heute viel zu wenig Beachtung bekommen hat. In Form von zahlreichen Filmen wie beispielsweise Blair Witch ProjectCloverfield, Diary of the DeadRedactedParanormal Activity und [Rec] wurde das Genre in leicht abgeänderten, aber immer auch prinzipiell ähnlichen Formen über die letzten Jahre weiter ausgeweitet. Nun findet diese Art des embedded filmmaking, wie es beispielsweise von der Splatting Image treffend bezeichnet wird, mit diesem Film vorläufig einen neuen Höhepunkt.

Dieses Werk repräsentiert nun eine gekonnte Weiterführung dieser Linie und gleichzeitig eine Parodie all seiner Vorgänger zusammen. The Blair Troll Project in Norwegen also. Doch nicht nur das, der Film führt so vieles auf äußerst gelungene Weise zusammen. Ein wenig Horror mit Spannung, ein wenig Action, sehr gutes Schauspiel und vor allem eins: viel Humor, äußerst liebenswerten und sympathischen Humor.

If there is a bunch of inbred pig-farmers waiting for us in there, your ass is first on the line.

Eine Gruppe Filmstudenten möchte eine Dokumentation über einen Trolljäger drehen. Anfangs glaubt noch niemand der Beteiligten wirklich an die Existenz der Trolle, man möchte mehr oder weniger nur den Trolljäger als Hochstapler bloßstellen. Doch das wird sich bald ändern. Nachdem der Trolljäger Hans die Gruppe zuerst zurückweist und keine Interviews geben möchte, hängt man sich kurzerhand 24/7 an seine Fersen und filmt heimlich, bis wirklich der erste Troll auftaucht und der alte, erfahren Jäger zur Hilfe eilen muss.

So stellen die Studenten bald fest, dass Trolle wirklich existieren und die norwegische Regierung diesen Umstand seit Jahren sehr aufwendig vertuscht. Und mit aufwendig meine ich aufwendig. So findet man beispielsweise heraus dass Hochspannungsleitungen vielerorts gar nicht zum Transport von Elektrizität benutzt werden, sondern lediglich als eine Art Weidezaun für Trolle dienen, damit diese ihr Revier nicht verlassen. Und Immigranten werden dafür bezahlt, Trollspuren zu verwischen, indem sie tote Bären beschaffen und strategisch in verwüsteten Waldgebieten verteilen.

– The tracks you see here in the area are from a Russian bear, who has come through Finland and Sweden. The bear stores his food under the bridge here.

– Isn’t that strange behavior?

– Not for a Russian bear. They are accustomed to long, harsh winters. So they hoard like squirrels.

Diese Vertuschungsaktionen alleine sorgen im Film schon für derart viele Lacher, dass es eine wahre Pracht ist dabei zuzuschauen. Es gibt hier auch keinen Haudrauf-Holzhammerhumor, sondern der Film nimmt sich teils sogar sehr subtil selbst auf die Schippe. OK, auch den Holzhammerhumor gibt es, aber eher selten und wenig störend.

Ein gutes Beispiel dafür sind die vielen Interviews. Schon immer erfreuten sich in derartigen Mockumentaries eingestreute Fake-Interviews großer Beliebtheit, so zum Beispiel die Interviews mit den Anwohnern in Blair Witch Project, in denen man diese nach der Hexe befragte. Hier befragt man beispielsweise einen Angestellten des Elektrizitätswerks. Dieser wundert sich überhaupt nicht darüber, dass Strommasten ins tiefe Nirgendwo führen, ohne dort auch nur einen einzigen Verbraucher weit und breit angeschlossen zu haben, um irgendwann in einem großen Kreis zu enden.

Ein weiteres Beispiel für den cleveren und subtilen Humor sind die vielen unauffälligen Kommentare und politischen Anspielungen. So sagt der Trolljäger Hans einmal im Vorbeifahren an einem Strommast, dass er diesen sehr schön findet. Das ist eine Anspielung auf eine immer noch andauernde Diskussion in Norwegen, bei der es um den Bau von Strommasten von Geiranger nach Bergen geht, über den Geirangerfjord. Dabei handelt es sich um eine der schönsten und ländlichsten Gegenden in Norwegen. Bei dieser Diskussion geht es haupsächlich darum, dass die Strommasten hässlich sind und die schöne Natur verschandeln. Zumindest bestätigt das diese Quelle.

Das Zusammenspiel all dieser Faktoren macht den Film zum neuen Meister seiner Klasse. Die Schauspieler machen ihre Sache allesamt sehr gut, allen voran Otto Jespersen, der die Rolle des schrulligen Trolljägers Hans wirklich brilliant verkörpert. Man hält ihn nicht für einen Schauspieler. Man kauft ihm die Trolljagd jederzeit voll und ganz ab. Der Mann passt unglaublich perfekt in diese Rolle. Aber auch der Rest der kleinen Truppe kann überzeugen.

Fazit: Schaut euch diesen Film an. Unbedingt.

Fun facts am Rande: Jens Stoltenberg, ein norwegischer Politiker, spielt sich selbst und nimmt sich damit selbst auf die Schippe.
Otto Jespersen sollte mal für einen Monat ins Gefängnis gehen, weil er während einer Comedyshow eine amerikanische Flagge verbrannt hat. Aus unbekannten Gründen konnte er der Haftstrafe entgehen.

Noch ein Fakt, allerdings weniger lustig: Der Mann war mit ein paar Kollegen auch in Thailand am Strand, als sich dort 2004 der Tsunami ereignete.

FFFN 2011 #3 – Kidnapped [Secuestrados]

Damit wären wir schon beim dritten Film der diesjährigen Fantasy Filmfest Nights. Ein neuer spanischer Beitrag zur Terrorfilm-/Eskalationsfilmwelle. Und was für einer!

Anfangs hatte ich keine wirkliche Vorstellung der bevorstehenden Handlung. Ausser dem Titel selbst wusste ich nichts über dem Film, daher hatte ich mehr mit einem normalen Geiselnahmethriller gerechnet, aber je länger die Laufzeit fortschritt, umso intensiver und spannender wurde dieses Stück Film. Er wirkt unglaublich direkt und real, hart, düster und konsequent bis zum letzten Moment. Der Schluss ist unglaublich böse und rundet damit den Film perfekt ab wie ein Schlag ins Gesicht.

Dieser bitterböse Film gefiel mir um Längen besser als die ganzen französischen Filme, die sich zwar Terrorfilme schimpfen aber dann entweder vor Logiklöchern und Dummheit nur so bersten (Inside), strunzdumm sind und mit Scheisscharakteren und deren Handlungen nerven (Frontier(s) oder gar Calvaire als noch besseres Beispiel), oder einfach in der Langeweile und Belanglosigkeit versumpfen (Martyrs). Die kann man alle getrost höchstens einmal schauen und dann wieder vergessen. Nach High Tension kam meiner Meinung aus Frankreich kein wirklich guter Terrorfilm mehr, jetzt sind wohl die Spanier an der Reihe es besser zu machen.

Und das haben sie hiermit vollbracht. Viel möchte ich zur genauen Handlung gar nicht schreiben. Nur die Grundzüge: Drei maskierte Männer dringen in ein frisch bezogenes Haus ein und nehmen die ansässige Familie, namentlich Vater, Mutter und Tochter, in ihre Gewalt. Die drei möchten Geld. Das war’s dann auch schon, mehr sollte man gar nicht beim Namen nennen.

Das Genre „Thriller“ reicht hier als Bezeichnung wirklich nicht mehr aus, um den Film treffend zu beschreiben. Alles andere ausser „Terrorfilm“ ist untertrieben. Denn nichts anderem als blankem Terror wird man hier ausgesetzt. Eine heutzutage schon fast alltägliche Ausgangssituation, von der man anfangs noch glaubt, man könne ihr entkommen, wird zum vollkommenen Albtraum.

Man sollte den Film einfach unvorbereitet auf sich wirken lassen, darin versinken, ihn „genießen“. Prinzipiell ist hier alles recht realistisch gehalten. Alles, was man hier zu sehen bekommt, könnte jedem einzelnen von uns in der Realität ganz genau so passieren. Man vergisst seine Umgebung und ist mittendrin und unglaublich gepackt. Man fiebert mit den Opfern mit, zuckt mit ihnen zusammen, kann die Angst und Bedrohung förmlich selbst spüren. Nichts wirkt unrealistisch, es wird nicht übertrieben. Es gibt keinen Humor, auch nicht angedeutet, das wäre hier völlig fehl am Platz. Das macht den Film so unglaublich stark und intensiv und damit zum ersten wirkliche Highlight des Festivals. Der erste Pflichtfilm, den eigentlich jeder einmal schauen müsste. Manch einer wird ihn nie wieder sehen wollen. Ich werde ihn mit Sicherheit sofort in die Sammlung stellen, wenn eine BD verfügbar wird.

Wegen solcher Filme haben diese Festivals ihre Daseinsberechtigung. Solche Filme haben den Begriff „Terrorfilm“ geprägt und verdient. Punkt.

FFFN 2011 #2 – The Hole 3D

Weiter geht’s mit den FFFN-Reviews. The Hole lief am Freitag als zweiter Film auf den Fantasy Filmfest Nights in Frankfurt. Der Film hat durchaus seine Qualitäten und wäre meiner Meinung nach als lockerer Eröffnungsfilm deutlich besser geeignet gewesen als 13 Assassins.

Glücklicherweise hat der Film nichts mit seinem miserablen Namensvetter von 2001 mit Thora Birch zu tun.

Die zwei Brüder Dane und Lucas finden gemeinsam mit einem Mädel aus der Nachbarschaft, Jamie, ein Loch im Keller ihres gerade frisch bezogenen Hauses im letzten Kaff vor dem Ende der Welt. Das Loch sorgt nicht nur für so einige Wortspiele unter den Kids. Es hat weder einen sichtbaren Boden noch Wände oder andere erkennbare Grenzen, das stellen die Jugendlichen schnell fest. Man wirft Dosen voller Nägel und allerlei anderen Kram in das Loch, man beleuchtet es mit allen Taschenlampenkräften, doch weder lässt sich irgendein Geräusch noch etwas anderes erkennen. Auch eine langsam an einer Schnur herabgelassene Handkamera bringt kein befriedigendes Ergebnis – aber dem Zuschauer die erste Belustigung, als im Hintergrund auf der Videoaufzeichnung ein böses Auge in die Kamera linst, was aber aufgrund einer Ablenkung keines der Kids bemerkt.

So schnell wie das Loch gefunden wurde, hat man es auch schon wieder vergessen – bis die ersten spukenden Nebeneffekte der Entdeckung zu Tage befördert werden. Kleine Mädchen schleichen in bester Ringu-Tradition in der dunklen Gegend umher, Spielzeugclowns werden plötzlich lebendig, jeder der Jugendlichen wird von seinen ganz eigenen Dämonen verfolgt.

Eins gleich vorweg, der Film ist von Anfang bis Ende vollkommen vorhersehbar. Es passiert rein gar nichts an Überraschungen, keine Plottwists, keine besonderen Höhen, keine Tiefen (abgesehen von denen des Lochs, höhöhö), nichts. Nur eine sehr straighte Story, wie sie aus jedem 80er Teeniehorrorfilm stammen könnte. Aber eins muss man dem Film lassen: Diese Standardware ist äußerst ansprechend verpackt und präsentiert. Die drei jungen Darsteller tragen den Film fast völlig alleine; es macht schon Spass ihnen zuzuschauen wenn gar nichts besonderes passiert, so sympathisch präsentieren sich die Protagonisten. Gerade Fans guter alter Horrorkost (und auch Fans des Regisseurs Joe Dante, der uns früher beispielsweise mitThe Howling, den teuflischen Nachbarn in The ‚burbs den Gremlins und Piranhas beglückte), dürften auf ihre Kosten kommen.

Mich hat der Film aufgrund seiner Grundhandlung und der Darsteller oft vor allem an The Gate erinnert, der schon früher einer meiner Lieblinge war. Dort hatte der mittlerweile bekanntere Stephen Dorff einen seiner ersten Auftritte als die junge Hauptfigur Glenn. Auch dort spielt sich fast alles von den jungen Darstellern getragen fast völlig ohne Erwachsene ab, auch dort sind die Monster gar nicht sooooo böse, alles wirkt irgendwie ein klein wenig ähnlich. Ich will Dante kein Plagiat vorwerfen, ganz im Gegenteil – ihm ist eine sehr schöne Hommage gelungen. Keine Bombe, kein Meisterwerk, keine Überraschung, aber einfach ein von Anfang bis Ende sympathischer und unterhaltsamer Film. Nicht nur diesen und ähnliche Filme, auch seine eigenen nimmt er gekonnt auf die Schnippe.

Den Film in 3D zu drehen und anzuschauen war allerdings völlig unnötig. Ausser den zwei bis drei üblichen 3D-Füllszenen (ein Ball wird Richtung Kamera geworfen, ein Türknauf ragt bedrohlich ins Bild, Titten werden ins Bild gestreckt Piranha 3D wird dem Zuschauer wohlwollend ins Gedächtnis gerufen) gibt es hier rein gar nichts zu sehen. Wirkt bestimmt in 2D sogar noch sympathischer und entspannter mit Sicherheit auch.

Wer sich an sympatischem 80er-like Teeniehorror erfreuen kann, wird hier nichts falsch machen.

FFFN 2011 #1 – 13 Assassins [Jûsan-nin no shikaku]

13 Assassins lief in Frankfurt als Eröffnungsfilm der Fantasy Filmfest Nights 2011 am Freitag. Ein klassischer Samuraifilm von Takashi Miike, einem der produktivsten japanischen Regisseure überhaupt. Der 50-Jährige hat mittlerweile über 80 Filme gedreht. Darunter ist von spannenden Meisterwerken wie Audition über durgeknallte lyncheske Hirnverknotungsfilme wie Gozu, einfach nur durchgeknallte Filme wie Dead or Alive oder Visitor Q, Superheldenfilme wie Zebraman, Splatterknaller wie Ichi the Killer oder Fudoh bis hin zu langweiligen, belanglosen Werken wie Izo wirklich alles zu finden. Einen neuen Miike kann man vorher qualitativ oder auch inhaltlich fast nie richtig einschätzen, man muss immer mit allem rechnen. Wenn man genug Filme von Miike gesehen hat wundert man sich irgendwann über gar nichts mehr.

13 Assassins gehört zweifellos zu Miikes besseren Filmen, aber nicht zu seinen besten, dafür fehlt noch einiges. Es handelt sich dabei um ein Remake des Klassikers von 1963 mit gleichem Titel, im Original Jûsan-nin no shikaku. Lustigerweise schienen die Veranstalter der Nights zumindest in Frankfurt gar nicht zu wissen, dass es sich hierbei um ein Remake handelt – wann immer man von Remakes sprach, zählte man nur die anderen beiden im Programm auf, dieses hat man scheinbar übersehen.

Der Film handelt von zwölf Samurai, die sich gemeinsam auf die Mission begeben einen Herrscher zu assassinieren. Zwölf? Ja, genau, zwölf Attentäter. Der dreizehnte im Bunde ist nämlich weder Samurai noch Attentäter, er hat mit der ganzen Sache nichts zu tun und stößt auch nur rein zufällig hinzu. Aber dennoch wird er eine wichtige Rolle spielen…

Der Film fängt damit an, einige Hintergründe zu beleuchten, welche den Herrscher als eine wahre Bestie in Menschengestalt darstellen. Der Sohn des letzten Shogun und Bruder des aktuellen Shogun, wie er sich selbst gerne überheblich vorstellt, begeht so einige grausame Taten, die seinen Tod für den Zuschauer von Anfang an rechtfertigen. So trennt er beispielsweise einem weiblichen Opfer alle vier Gliedmaßen ab, reißt ihr anschließend die Zunge raus, und verwendet sie dann als Gespielin, bis es ihm langweilig wird und er sie im Regen völlig hilflos vor die Tür wirft.

Die ersten zwei Drittel des Filmes sind generell (von kurzen Miike-typischen Ausbrüchen der Gewalt abgesehen) sehr ruhig gehalten, dialoglastig und eher actionarm. Man sollte definitiv keinen Swordsplay-Film à la Azumi oder Versus erwarten, das wird hier zwar auch am Rande geboten, steht aber keinesfalls im Mittelpunkt. Der Film wird von seiner Handlung und seinen dreizehn Protagonisten sowie deren Antagonist getragen. Vielleicht war das für einen Eröffnungsfilm nicht unbedingt die beste Wahl, meistens eignet sich da eher etwas lockeres, lustiges. Die ersten zwei Drittel des Films waren dafür eher zu anspruchsvoll, zu gemächlich.

Im letzten Drittel dreht sich das ganze dann allerdings vollkommen, wir sehen ein sehr langgezogenes Finale, in dem Miikes Handschrift deutlich durchscheint. Die Dialoge und die Ruhe treten langsam in den Hintergrund, der Film fängt an abzudrehen wie das der typische Miike eben tut. Hier wird ein ganzes Dorf mit Fallen gespickt; das Spektrum reicht dabei von brennenden und amoklaufenden Wasserbüffeln die durch die Menschenmassen wüten, bis hin zu explodierenden Häusern, die in einer sprichwörtlichen Flut von Blut ertränkt werden. Alles ist hier völlig over the top und die dreizehn Assassinen metzeln sich auf äußerst kreative Art und Weise und sehr unterhaltsam durch die 200köpfige Gegnerschar bis zum Endgegner durch. Das 45minütige Finale kann fast schon langatmig wirken, wenn man mit dem Gebotenen nicht so viel anfangen kann – ich fand es super. Und das Minifinale im Finale dreht dann nochmal wirklich auf.

Insgesamt bin ich mit dem Film zufrieden, der könnte irgendwann durchaus in meine Sammlung wandern. Lediglich für einen Eröffnungsfilm war die Wahl eher suboptimal, da die ersten zwei Drittel doch etwas zu ruhig waren. Sowas hätte gut in die Mitte gepasst. Abschließend: Daumen hoch!