FFFN 2011 #5 – #10: Die restlichen Filme

Ein weiterer Beitrag aus der Kategorie „ups, ist das auch schon wieder so lange her, als ich das hier posten wollte…“ – oder wie Kathrin es nannte, „Neo-Archäologie“. Hm, das sollte ich als neues Tag hier einführen, könnte ich bestimmt noch öfter gebrauchen…

Nach kurzer FFFN-Filmreviewpause aus Zeitmangel – lasst mich nachdenken, die Pause hat lediglich elf Monate gedauert, das ist noch lange kein Prokrastinationsrekord – geht’s hier endlich weiter mit meinen Besprechungen der Filme der Fantasy Filmfest Nights 2011. Immerhin noch bevor die Nights 2012 stattfinden, an denen ich übrigens nicht teilnehmen werde. Wahrscheinlich nächstes Jahr wieder, dieses Jahr reizt mich die Filmauswahl einfach nicht so besonders.

Nun werde ich mich bei den restlichen Filmen etwas kürzer fassen, auch weil ich mich nicht mehr wirklich an alles genügend erinnern kann, aber zumindest grundlegend ansprechen möchte ich nach wie vor alle der zehn gezeigten Werke.

 

#5 – I Spit On Your Grave

I Spit on your Grave war das zweite Remake des letztjährigen Festivals. Er wurde am Samstagabend in Frankfurt als der Abschlussfilm des ersten Tages gezeigt. Und das war eine gute Wahl!

Das Original ist einer der berüchtigsten Filme der 70er. 1978 veröffentlicht, war er eines der Hauptopfer der immer wiederkehrenden Verbotswellen. Der Film ist nicht nur bei uns beschlagnahmt worden, auch in weiteren Ländern wie beispielsweise Finnland, Norwegen und Irland wurde er verboten. Dennoch gehört er in jede gute DVD-Sammlung.

Während das Original eher die Vergewaltigung(en) der Jennifer Hill auf äußerst unangenehme Art und Weise zelebrierte, legt das Remake seinen Fokus stärker auf ihre Rache. Zumindest fällt Jennifers Rache an den Vergewaltigern ein gutes Stück derber und härter aus als im Original, während die ursprünglichen Vergewaltigungsszenen schon eher ein wenig abgemildert wirken. Vor allem, wenn man das mit anderen aktuellen Werken wie z.B. Irreversible vergleicht, der dort ganz andere Massstäbe setzte, anders als das Remake von The Last House On The Left, das ebenfalls schon ein wenig abgemildert wurde.

Mein Fazit: Ein äußerst gut gelungenes, hartes und dem Original würdiges Remake. Für den Freitag der ideale Abschlussfilm.

 

#6 – Essential Killing

Film Nummer 6. Der Einstiegsfilm des Samstags. Aber WTF war das denn bitte? Der war hier mal völlig fehl am Platz, der erste Totalausfall im Programm.

Dabei ist der Film nicht mal per se schlecht. Er kann sogar einen gewissen Anspruch und eine nicht geringe Portion Sozialkritik aufweisen, was aber absolut nicht zu diesem Festival passt. Das ist eher etwas für ruhige zwei Stunden zuhause auf der Couch, nicht für den ersten Sendeplatz am Samstagnachmittag. Muss ich auch nicht wirklich ein zweites Mal sehen.

 

#7 – Burke & Hare

Simon Pegg ist zurück. Anstatt Nick Frost spielt Andy Serkis (Gollum!) an seiner Seite. Auch Tim Curry und Christopher Lee tauchen hier auf.

Zusammen auf lustiger Kadaverbeschaffungstour. Fuckin‘ brilliant, ’nuff said! Hat nicht allen Anwesenden gefallen, aber ich war hin und weg.

 

#8 – Mother’s Day

Film Nummer acht, Remake Nummer drei. Noch ein erstaunlich gutes Remake, das glücklicherweise nichts mit dem Original gemeinsam hat. Bis auf den Fernseher.

Während das Original damals noch einigermaßen unterhalten konnte, war es kein besonders ernster Vertreter seiner Gattung. Teilweise schon eher unfreiwillig komisch – aus heutiger Sicht noch viel mehr. Heute ist der Film nur noch wegen seines Nostalgiefaktors interessant, da kam das Remake gerade zur rechten Zeit.

Deutlich ernster als im Original geht es hier also zur Sache, die ursprüngliche Handlung hat man ebenfalls komplett über Bord geworfen. Statt unschuldige Mädels in das Haus ganz tief im Wald zu entführen, fällt die Bande hier in ein Haus mitten in einer Kleinstadt ein, in dem gerade eine Party steigt. Diese Party wird den Besuchern (zumindest den Überlebenden unter ihnen) noch lange im Gedächtnis bleiben.

Durchaus einer der besseren Filme des Festivals und sehr empfehlenswert. Allerdings nicht gerade der härteste oder intensivste.

 

#9 – I Saw The Devil

Kurz gesagt: Das war der beste und krasseste Selbstjustiz-Rachefilm seit Sympathy for Mr Vengeance!

Ein irrer Serienkiller sucht sich das falsche Opfer – er tötet die Verlobte eines Agenten. Dieser tickt vollkommen aus. Zuerst sucht er diverse Verdächtige auf, die er nach und nach auf unterschiedlichen Methoden ihrer „Möglichkeiten“ beraubt. Als er schließlich den eigentlichen Täter gefunden hat, richtet er diesen übel zu – lässt ihn aber überleben, nur um ihn weiterhin auf Schritt und Tritt zu verfolgen und immer wieder zu überraschen, immer wieder härter zuzuschlagen und ihn zu malträtieren. Doch er unterschätzt den Killer und begeht einen großen Fehler, was in einem intensiven Blutbad enden wird, das seinesgleichen sucht.

Der Film ist nicht ganz so depressiv und nihilistisch wie beispielsweise Sympathy For Mr Vengeance, der in dieser Hinsicht vollkommen neue Welten aufgezeigt hat, aber er kommt ungleich intensiver daher. Am Ende ist man sich nicht mal mehr sicher, wer der im Titel angesprochene Teufel eigentlich ist – der Killer oder der Cop? Beide gehen über Leichen, nur ihre Motivation unterscheidet sie noch.

Was hier gezeigt wird, überschreitet Grenzen – der Film musste in seinem Herkunftsland Südkorea um ganze sieben Minuten geschnitten werden, die ungekürzte Fassung durfte nicht gezeigt werden. Auf dem Festival lief er glücklicherweise ungekürzt, auch auf DVD/BD ist diese Version (in Deutschland in der „Black Edition“ von Splendid) zu haben.

Lange Zeit war Sympathy For Mr Vengeance für mich das Nonplusultra was Rachefilme anbelangt. Weder die zwei Quasi-Fortsetzungen in der Vengeance-Trilogie von Park Chan-Wook (Oldboy und Lady Vengeance) noch andere Vertreter der Gattung konnten ihm lange Zeit das Wasser reichen. Doch nun ist der Film gekommen, der meinen bisherigen Liebling vom Thron stoßen konnte. Das war das Highlight dieses Festivals und wäre der ideale Abschlussfilm gewesen, denn über diesen Film denkt man noch lange nach.

Um noch mehr Lust auf den Film zu wecken sollte man unbedingt auch noch dieses Review lesen, welches mein inzwischen leider verstorbener Freund Gert geschrieben hat. Den Film hatte ich noch mit ihm zusammen geschaut. 🙁

An dieser Stelle sollte jeder an dieser Filmgattung Interessierte mit dem Mauszeiger über dem Bestellbutton schweben. Klicken, los! Aber vorsicht: Die deutsche Version mit 18er-Freigabe ist um mehr als zehn Minuten geschnitten. Nur die „Black Edition“ ist hierzulande ungeschnitten. Alternativ kann man auf die US-Fassung (in voller Länge) zugreifen, die englische (UK) beispielsweise ist ebenfalls geschnitten.

 

#10 – Wake Wood

Der Abschluss des Samstags und damit des ganzen Festivals. Mittelmaß aus dem Hause Hammer, weder Fisch noch Fleisch. Gucken, vergessen. Schlechte Wahl für den Festival-Abschluss!

Ich kann mich ehrlich gesagt kaum noch an den Film erinnern, viel ist nicht hängen geblieben. EinPaar verliert sein einziges Kind und versucht sich anschließend an Pet Sematary-mäßigen Wiederbelebungsmethoden, was allerdings blutige Folgen nach sich zieht. Nichts besonderes, wirklich nicht. Das gab es schon zehnmal besser umgesetzt.

Statt diesem Film hätte man lieber I Saw The Devil als finalen Film zeigen sollen, denn der hat eingeschlagen wie eine Bombe und einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Im Namen der Kopie: Die Schande des Königs

Gestern Uwe Bolls In the Name of the King: A Dungeon Siege Tale (deutscher Titel: Schwerter des Königs) geschaut.

Nein, das war nichts. Bisher bin ich eher ein Fan der Bollwerke gewesen (das Wortspiel konnte ich mir nicht verkneifen), aber hier hat mich doch einiges gestört. Genauer betrachtet geht hier so ziemlich alles schief.

Zuerst fällt der Look auf. Prinzipiell hat der Film schon ein paar schöne Szenen zu bieten, schöne Kulissen, für ein derartiges Fantasy-Epos gut geeignete Landschaften, düstere Gebirge, alles vorhanden. Aber dennoch ist die Optik unstimmig. Mir fehlen die passenden Worte, das exakt zu beschreiben, aber prinzipiell sieht der Film einfach nicht so hochwertig aus wie er müsste. Es wirkt eher so als hätte man auf Biegen und Brechen versucht, die Optik und den Stil von beispielsweise Lord of the Rings zu kopieren – aber mehr als ein billiges Aneinanderreihen von diversen Versatzstücken und teilweise wirklich identischen Kopien diverser Szenen ist dabei nicht gelungen.

Wenn eine große Armee vor der Schlacht versammelt dargestellt wird, sieht man in richtigen Fantasyfilmen vor lauter Massen, die sich bis zum Horizont erstrecken, keinen Grashalm mehr. Hier fragt man sich wo die restliche Kämpferschar versteckt ist, denn mehr als höchstens ein paar Dutzend Statisten konnte man sich scheinbar wegen der teuren Drehorte nicht mehr leisten.

Die Hochglanzoptik von richtigen Fantasy-Blockbustern wird zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise erreicht.

Bei einer guten Geschichte könnte man das durchaus noch verschmerzen. Die Handlung ist jedoch extrem vorhersehbar, von der ersten Einführung eines jeden Charakters an ist schon vollkommen klar was ihm passieren wird. Ich kenne das Spiel nicht, daher kann ich keine Vergleiche zur Vorlage ziehen und auch nicht beurteilen, ob der Film nah an der Vorlage umgesetzt wurde oder nicht. Aber dieses Grundgerüst, das zumindest als Director’s Cut auf BD auf annähernd drei langweilige Stunden gestreckt wurde, kann zu keiner Zeit auch nur einen Hauch von Spannung aufbauen.

Was für die Optik gilt – die versuchte Erzeugung einer LOTR-Kopie – lässt sich eigentlich ohne Einschränkung auf den kompletten Film ausweiten. Die ganze Handlung wirkt wie ein Flickwerk aus LOTR-Elementen. Die einzelnen Parallelen zu LOTR – oder viel mehr die dreist kopierten Teile der Handlung – aufzuzählen ist aufwendiger als den Rest zu betrachten. Es bleibt nämlich fast nichts an originellem Rest übrig.

Die Krugs, wie man die Ork-Armee des bösen Magus genannt hat.

Die Entführung der Handvoll Opfer durch eben diese genannte Armee.

Die unglaublich lächerlich dahin schwebenden Waldfrauen, die man vermutlich nur verwendet hat, weil eine 1:1-Übernahme der Waldelfen dann doch zu dreist gewesen wäre.

Muriella, gespielt von Leelee Sobieski, die ich eigentlich in ihren früheren Rollen gerne gesehen habe. Sie schwankt je nach Szene zwischen Imitationen von Arwen und Eowyn hin und her.

Die peinlichen Ansprachen der Führer der jeweiligen Armeen vor den Schlachten. Wo in ordentlichen Epen eine Rede gehalten wird, die Mark und Bein erzittern lässt, die Gänsehaut erzeugt, die den Betrachter vor Erfurcht und Respekt staunen lässt – da langweilt man sich hier nur und lacht sich über den peinlichen bösen Neffen des guten Königs halbtot.

Überhaupt, der Neffe, einer der beiden Bösewichte im Film, gespielt von Matthew Lillard – sein Schauspiel hat so gewirkt, als habe er den Film parodieren wollen anstatt wirklich eine ernste Rolle in ihm zu spielen. Der Kerl hat so dermaßen overacted, das lässt sich mit Worten fasst nicht beschreiben. Dagegen war seine Rolle in Scream vor fast 15 Jahren, in dem er aus guten Gründen übertrieben und durchgeknallt wirken sollte, schon fast eine bodenständige und ernste Darbietung gewesen.

Burt Reynolds als der König. Der Pfeil. Man erwartet, dass gleich Boromir erscheint und eine Lizenzgebühr verlangt.

Statham. Genug gesagt, er spielt die selbe Rolle wie immer. Passt oft, hier nicht.

Ray Liotta als der zweite, eigentliche Bösewicht. Nun gut, ihn sieht man meistens weniger gerne, egal in welchem Film er mitspielt. Ausser Identity fällt mir auf Anhieb keine weitere seiner Rollen ein, die mir positiv im Gedächtnis geblieben wäre. Meistens stirbt sein Filmcharakter, das ist gut so.

Eigentlich unvorstellbar, was für eine Menge an vorher zumindest größtenteils hochkarätigen Schauspielern hier vollkommen herz- und hirnlos verheizt wurde. Der Look ist eine billige Kopie, die nie auch nur annähernd die Klasse der Vorlage erreicht, die Handlung ist noch schlimmer.

Wenn ich diesen Film als Gesamtwerk betrachte, komme ich zu dem Schluss, dass Boll doch lieber bei trashigen Umsetzungen von Spielvorlagen wie House of the DeadPostal oder Blood Rayne bleiben sollte, denn dort fühlte ich mich als Betrachter stets gut unterhalten. Diese Filme hatten Charme und man hat genau das bekommen was man wollte: einen starken Trashfaktor, der Spass macht.

Hoffentlich hat wenigstens Far Cry etwas mehr zu bieten, denn der liegt hier noch auf dem ungesehenen Filmstapel…

Scre4m – Scream 4

New decade. New Rules.

 

Zehn Jahre nach dem Woodsboro-Massaker kehrt Sidney Prescott (Neve Campbell), mittlerweile erfolgreiche Autorin, in ihren Heimatort und den Ort des Verbrechens zurück, um eine Autogrammstunde zu geben.
Zur selben Zeit geschehen neue Morde.
Dewey Riley (David Arquette), der mittlerweile zum Sheriff des Orts geworden ist, stellt zusammen mit seiner Frau Gale Weathers-Riley (Courteney Cox) Nachforschungen an, während der Killer ein Katz-und-Maus-Spiel mit Sidney startet, von welchem auch ihre Tante Kate (Mary McDonnell) und Cousine Jill (Emma Roberts) sowie deren Freunde nicht verschont bleiben sollen…

Welcome home, Sidney. You’re a survivor, aren’t you, Sidney? What good is it to be a survivor when everyone close to you is dead? You can’t save them. All you can do… is watch.

Ich erlaube mir einen kleinen Rückblick.

Scream nahm ganz allgemein die Slasherfilme auf die Schippe. Lange nicht die erste Parodie der Filmgeschichte, sicher auch nicht die beste, ohne Zweifel jedoch eine sehr gute und vor allem richtungsweisende. Nicht nur hat der Film eine Reihe mehr oder weniger gute (teils auch unglaublich schlechte) Parodien ausgelöst, auch dem Slasherfilm als ganzes Genre hat er nach einer langen Dürreperiode neues Leben eingehaucht.

Teil 2 widmete sich den Fortsetzungen. Die Regeln wurden – ganz wie in den Vorlagen – erweitert, ergänzt.

Im dritten Teil waren die großen Trilogien das Ziel der Parodie. Der Film war zwar der schwächste Teil der Reihe, aber das immer noch auf relativ hohem Niveau.

Scream 4 setzt nun auf sehr konsequente und unglaublich gute Weise diese Reihe fort. Und ist gleichzeitig ein Reboot, ein Neuanfang. Ein bisschen Remake. Ein Film, der sich selbst von Anfang bis Ende wirklich nie ernst nimmt und unglaublich gekonnt mit der Erwartungshaltung der Fans spielt. Ein Film, der die Parodie auf die Spitze treibt. Ein wahrer Höhepunkt.

Alles, und ich meine wirklich alles, was seit dem dritten Teil in der Filmwelt passiert ist, wird sehr gekonnt verarscht. Das ist einiges!

Die komplette Saw-Reihe, die mittlerweile sieben Filme umfasst, entstand zwischen den Scream-Teilen 3 und 4. Die Torture-Porn Welle wurde von Hostel und ähnlichen Filmen losgetreten und hat uns im wahrsten Sinne des Wortes überschwemmt.
Viele endlose Fortsetzungen wurden gedreht. Ein Remake nach dem anderen wurde auf die Kinogänger losgelassen, dazwischen hin und wieder ein Reboot, der neueste Trend im Filmgeschäft. Etwas wirklich neues fällt der „Ideenschmiede“ aus Hollywood immer seltener ein; warum auch, bekannte Franchises ziehen immer noch genug Geld in die Kasse ohne so viel Aufwand oder Kreativität zu erfordern wie eine Neuentwicklung.

All das, wirklich alles, ohne Ausnahme, nimmt Scre4m in nur 111 Minuten absolut großartig aufs Korn. Einschließlich seiner eigenen Vorgänger, deren Nachfolger, Mitläufer und Plagiate.
Und dort ist noch lange nicht Schluss. Die komplette heutige Jugend, die ganze Internetgeneration, wird sehr genau abgebildet und gleichzeitig angenehm übertrieben parodiert.

Ghostface ist nicht mehr nur unheimlicher Anrufer, er ist gleichzeitig auch Facebook-Stalker und Videoblogger, er streamt seine Morde schon während sie passieren live ins Internet. Jedes Opfer hat ein Smartphone dabei und kann immer und überall dem Killer und seinen Spielen ausgeliefert sein. Auf die Presse ist man schon lange nicht mehr angewiesen, das Neueste über die gerade passierten Morde erfährt man viel direkter. Das ganze Klassenzimmer weiß Bescheid, bevor der erste Pressewagen oder Polizist auftauchen kann.

– Dewey, what’s going on?

– That is not public information.

– It’s all over the Internet!

– It is?

Damit macht der Film auch vor den noch brandaktuellen Mockumentaries nicht halt. Diese Handkameramethode, das „embedded filmmaking“, wurde nicht vergessen, sondern als eine der nötigen Weiterentwicklungen der Filmfreaks instrumentalisiert, die in der Reihe schon immer zentrales Thema waren. Und auch das ist sehr gut gelungen!

Alle wichtigen Charaktere, die die Reihe zu dem gemacht haben was sie heute ist, sind natürlich weiterhin dabei und bleiben ihrer Rolle gleichzeitig treu, während sie diese noch weiter entwickeln.
Aber auch die neue Generation der Opfer und Killer ist sehr gut getroffen. Bis in die letzte kleine Nebenrolle ist das ganze Werk perfekt besetzt, angefangen bei den sehr amüsanten Auftritten von Kristen Bell und Anna Paquin bis hin zu den Hauptrollen, die teils mit bekannten (zum Beispiel Hayden Panettiere) und teils mit neuen Gesichtern ausgefüllt sind.

Die Morde sind größtenteils eine sehr gezielte Hommage an den ersten Teil, sind fast immer im Stil des Originals gehalten. Hier hat man es gar nicht nötig, auf andere Vorlagen zurück zu greifen, die Reihe selbst hat mittlerweile genügend Stoff geliefert! Weder wird übertrieben brutal vorgegangen, noch zu blutleer – ganz im Gegenteil, die Mischung passt. Der Bodycount ist hoch genug, nie gibt es längere Pausen dazwischen, Langeweile kann man dem Film absolut nicht vorwerfen. Kreativität schon eher.

– I’ll be right back.

– I know this one, you’re not supposed to say that, are you?

Und nicht zuletzt wird das bereits aus den Vorgängern bekannte Muster „Film im Film (im Film)“ nicht nur wieder aufgegriffen, sondern es wird vollkommen perfektioniert mit „Stab 7“, der eine gezielte Anspielung (auf die oft auch namentlich erwähnte)Saw-Reihe darstellt.

Einer der Höhepunkte des Films ist der jährliche „Stab-A-Thon“. Alle sieben „Stab“-Filme sollen am Stück auf einer Art Festival gezeigt werden. Es ist vollkommen klar und selbstverständlich, dass unter den dutzenden Maskenträgern auch der echte Killer auftauchen und sein Unwesen treiben wird. Aber wen stört das schon?

Fun fact: Robert Rodriguez wird in den Credits der „Stab“-Filme als Regisseur genannt. Das war schon im zweiten Teil so gemacht worden und stellt mittlerweile einen Running Gag dar.

Scream 4 ist ohne jeden Zweifel die bisher beste Fortsetzung des Originals und gleichzeitig noch so viel mehr. Man bekommt genau das, was man als Fan der Reihe erwartet, wird aber dennoch immer wieder von neuen lustigen Einfällen und kreativen Ideen überrascht.

Ich hoffe, dass Wes Craven und Kevin Williamson an diesem Punkt aufhören, den genau jetzt ist die Reihe vollständig und perfekt abgeschlossen. Zumindest, bis ein paar weitere Jahre ins Land gezogen sind und die Filmwelt wieder ein paar neue Vorlagen geliefert hat.

FFFN 2011 #4 – The Troll Hunter [Trolljegeren]

Weiter geht es mit Film Nummer vier, dann wären wir auch schon fast beim Finale des Freitags angelangt.

Troll Hunter ist ein norwegischer Beitrag zum Festival. Während der Film von einigen scheinbar schon länger gespannt erwartet wird, hatte ich auch hier im Vorfeld keine Erwartungen oder Vorstellungen. Ausser dem Begriff „Mockumentary“ war mir nichts bekannt. Und das war gut so, denn umso mehr und umso positiver hat mich der Film überrascht.

Über die Auswahl dieses Filmes habe ich mich zuerst ein klein wenig gewundert, da er in kurzer Zeit noch regulär im Kino zu sehen sein wird. Eher selten, dass so ein Film dann im Rahmen dieses Festivals läuft. Aber nach dem Genuss des Films im norwegischen O-Ton mit englischen Untertiteln will ich nichts dagegen gesagt haben, denn er hat von Anfang bis Ende gerockt und sich als das zweite Highlight des Festivals herausgestellt.

Prinzipiell ist der Film erstmal eine Handkamera-Mockumentary. Diese Filmwelle fand ihren Ursprung mehr oder weniger durch den hierzulande indizierten Klassiker Cannibal Holocaust, der leider und völlig zu Unrecht bis heute viel zu wenig Beachtung bekommen hat. In Form von zahlreichen Filmen wie beispielsweise Blair Witch ProjectCloverfield, Diary of the DeadRedactedParanormal Activity und [Rec] wurde das Genre in leicht abgeänderten, aber immer auch prinzipiell ähnlichen Formen über die letzten Jahre weiter ausgeweitet. Nun findet diese Art des embedded filmmaking, wie es beispielsweise von der Splatting Image treffend bezeichnet wird, mit diesem Film vorläufig einen neuen Höhepunkt.

Dieses Werk repräsentiert nun eine gekonnte Weiterführung dieser Linie und gleichzeitig eine Parodie all seiner Vorgänger zusammen. The Blair Troll Project in Norwegen also. Doch nicht nur das, der Film führt so vieles auf äußerst gelungene Weise zusammen. Ein wenig Horror mit Spannung, ein wenig Action, sehr gutes Schauspiel und vor allem eins: viel Humor, äußerst liebenswerten und sympathischen Humor.

If there is a bunch of inbred pig-farmers waiting for us in there, your ass is first on the line.

Eine Gruppe Filmstudenten möchte eine Dokumentation über einen Trolljäger drehen. Anfangs glaubt noch niemand der Beteiligten wirklich an die Existenz der Trolle, man möchte mehr oder weniger nur den Trolljäger als Hochstapler bloßstellen. Doch das wird sich bald ändern. Nachdem der Trolljäger Hans die Gruppe zuerst zurückweist und keine Interviews geben möchte, hängt man sich kurzerhand 24/7 an seine Fersen und filmt heimlich, bis wirklich der erste Troll auftaucht und der alte, erfahren Jäger zur Hilfe eilen muss.

So stellen die Studenten bald fest, dass Trolle wirklich existieren und die norwegische Regierung diesen Umstand seit Jahren sehr aufwendig vertuscht. Und mit aufwendig meine ich aufwendig. So findet man beispielsweise heraus dass Hochspannungsleitungen vielerorts gar nicht zum Transport von Elektrizität benutzt werden, sondern lediglich als eine Art Weidezaun für Trolle dienen, damit diese ihr Revier nicht verlassen. Und Immigranten werden dafür bezahlt, Trollspuren zu verwischen, indem sie tote Bären beschaffen und strategisch in verwüsteten Waldgebieten verteilen.

– The tracks you see here in the area are from a Russian bear, who has come through Finland and Sweden. The bear stores his food under the bridge here.

– Isn’t that strange behavior?

– Not for a Russian bear. They are accustomed to long, harsh winters. So they hoard like squirrels.

Diese Vertuschungsaktionen alleine sorgen im Film schon für derart viele Lacher, dass es eine wahre Pracht ist dabei zuzuschauen. Es gibt hier auch keinen Haudrauf-Holzhammerhumor, sondern der Film nimmt sich teils sogar sehr subtil selbst auf die Schippe. OK, auch den Holzhammerhumor gibt es, aber eher selten und wenig störend.

Ein gutes Beispiel dafür sind die vielen Interviews. Schon immer erfreuten sich in derartigen Mockumentaries eingestreute Fake-Interviews großer Beliebtheit, so zum Beispiel die Interviews mit den Anwohnern in Blair Witch Project, in denen man diese nach der Hexe befragte. Hier befragt man beispielsweise einen Angestellten des Elektrizitätswerks. Dieser wundert sich überhaupt nicht darüber, dass Strommasten ins tiefe Nirgendwo führen, ohne dort auch nur einen einzigen Verbraucher weit und breit angeschlossen zu haben, um irgendwann in einem großen Kreis zu enden.

Ein weiteres Beispiel für den cleveren und subtilen Humor sind die vielen unauffälligen Kommentare und politischen Anspielungen. So sagt der Trolljäger Hans einmal im Vorbeifahren an einem Strommast, dass er diesen sehr schön findet. Das ist eine Anspielung auf eine immer noch andauernde Diskussion in Norwegen, bei der es um den Bau von Strommasten von Geiranger nach Bergen geht, über den Geirangerfjord. Dabei handelt es sich um eine der schönsten und ländlichsten Gegenden in Norwegen. Bei dieser Diskussion geht es haupsächlich darum, dass die Strommasten hässlich sind und die schöne Natur verschandeln. Zumindest bestätigt das diese Quelle.

Das Zusammenspiel all dieser Faktoren macht den Film zum neuen Meister seiner Klasse. Die Schauspieler machen ihre Sache allesamt sehr gut, allen voran Otto Jespersen, der die Rolle des schrulligen Trolljägers Hans wirklich brilliant verkörpert. Man hält ihn nicht für einen Schauspieler. Man kauft ihm die Trolljagd jederzeit voll und ganz ab. Der Mann passt unglaublich perfekt in diese Rolle. Aber auch der Rest der kleinen Truppe kann überzeugen.

Fazit: Schaut euch diesen Film an. Unbedingt.

Fun facts am Rande: Jens Stoltenberg, ein norwegischer Politiker, spielt sich selbst und nimmt sich damit selbst auf die Schippe.
Otto Jespersen sollte mal für einen Monat ins Gefängnis gehen, weil er während einer Comedyshow eine amerikanische Flagge verbrannt hat. Aus unbekannten Gründen konnte er der Haftstrafe entgehen.

Noch ein Fakt, allerdings weniger lustig: Der Mann war mit ein paar Kollegen auch in Thailand am Strand, als sich dort 2004 der Tsunami ereignete.

FFFN 2011 #3 – Kidnapped [Secuestrados]

Damit wären wir schon beim dritten Film der diesjährigen Fantasy Filmfest Nights. Ein neuer spanischer Beitrag zur Terrorfilm-/Eskalationsfilmwelle. Und was für einer!

Anfangs hatte ich keine wirkliche Vorstellung der bevorstehenden Handlung. Ausser dem Titel selbst wusste ich nichts über dem Film, daher hatte ich mehr mit einem normalen Geiselnahmethriller gerechnet, aber je länger die Laufzeit fortschritt, umso intensiver und spannender wurde dieses Stück Film. Er wirkt unglaublich direkt und real, hart, düster und konsequent bis zum letzten Moment. Der Schluss ist unglaublich böse und rundet damit den Film perfekt ab wie ein Schlag ins Gesicht.

Dieser bitterböse Film gefiel mir um Längen besser als die ganzen französischen Filme, die sich zwar Terrorfilme schimpfen aber dann entweder vor Logiklöchern und Dummheit nur so bersten (Inside), strunzdumm sind und mit Scheisscharakteren und deren Handlungen nerven (Frontier(s) oder gar Calvaire als noch besseres Beispiel), oder einfach in der Langeweile und Belanglosigkeit versumpfen (Martyrs). Die kann man alle getrost höchstens einmal schauen und dann wieder vergessen. Nach High Tension kam meiner Meinung aus Frankreich kein wirklich guter Terrorfilm mehr, jetzt sind wohl die Spanier an der Reihe es besser zu machen.

Und das haben sie hiermit vollbracht. Viel möchte ich zur genauen Handlung gar nicht schreiben. Nur die Grundzüge: Drei maskierte Männer dringen in ein frisch bezogenes Haus ein und nehmen die ansässige Familie, namentlich Vater, Mutter und Tochter, in ihre Gewalt. Die drei möchten Geld. Das war’s dann auch schon, mehr sollte man gar nicht beim Namen nennen.

Das Genre „Thriller“ reicht hier als Bezeichnung wirklich nicht mehr aus, um den Film treffend zu beschreiben. Alles andere ausser „Terrorfilm“ ist untertrieben. Denn nichts anderem als blankem Terror wird man hier ausgesetzt. Eine heutzutage schon fast alltägliche Ausgangssituation, von der man anfangs noch glaubt, man könne ihr entkommen, wird zum vollkommenen Albtraum.

Man sollte den Film einfach unvorbereitet auf sich wirken lassen, darin versinken, ihn „genießen“. Prinzipiell ist hier alles recht realistisch gehalten. Alles, was man hier zu sehen bekommt, könnte jedem einzelnen von uns in der Realität ganz genau so passieren. Man vergisst seine Umgebung und ist mittendrin und unglaublich gepackt. Man fiebert mit den Opfern mit, zuckt mit ihnen zusammen, kann die Angst und Bedrohung förmlich selbst spüren. Nichts wirkt unrealistisch, es wird nicht übertrieben. Es gibt keinen Humor, auch nicht angedeutet, das wäre hier völlig fehl am Platz. Das macht den Film so unglaublich stark und intensiv und damit zum ersten wirkliche Highlight des Festivals. Der erste Pflichtfilm, den eigentlich jeder einmal schauen müsste. Manch einer wird ihn nie wieder sehen wollen. Ich werde ihn mit Sicherheit sofort in die Sammlung stellen, wenn eine BD verfügbar wird.

Wegen solcher Filme haben diese Festivals ihre Daseinsberechtigung. Solche Filme haben den Begriff „Terrorfilm“ geprägt und verdient. Punkt.