FFFN 2011 #5 – #10: Die restlichen Filme

Ein weiterer Beitrag aus der Kategorie „ups, ist das auch schon wieder so lange her, als ich das hier posten wollte…“ – oder wie Kathrin es nannte, „Neo-Archäologie“. Hm, das sollte ich als neues Tag hier einführen, könnte ich bestimmt noch öfter gebrauchen…

Nach kurzer FFFN-Filmreviewpause aus Zeitmangel – lasst mich nachdenken, die Pause hat lediglich elf Monate gedauert, das ist noch lange kein Prokrastinationsrekord – geht’s hier endlich weiter mit meinen Besprechungen der Filme der Fantasy Filmfest Nights 2011. Immerhin noch bevor die Nights 2012 stattfinden, an denen ich übrigens nicht teilnehmen werde. Wahrscheinlich nächstes Jahr wieder, dieses Jahr reizt mich die Filmauswahl einfach nicht so besonders.

Nun werde ich mich bei den restlichen Filmen etwas kürzer fassen, auch weil ich mich nicht mehr wirklich an alles genügend erinnern kann, aber zumindest grundlegend ansprechen möchte ich nach wie vor alle der zehn gezeigten Werke.

 

#5 – I Spit On Your Grave

I Spit on your Grave war das zweite Remake des letztjährigen Festivals. Er wurde am Samstagabend in Frankfurt als der Abschlussfilm des ersten Tages gezeigt. Und das war eine gute Wahl!

Das Original ist einer der berüchtigsten Filme der 70er. 1978 veröffentlicht, war er eines der Hauptopfer der immer wiederkehrenden Verbotswellen. Der Film ist nicht nur bei uns beschlagnahmt worden, auch in weiteren Ländern wie beispielsweise Finnland, Norwegen und Irland wurde er verboten. Dennoch gehört er in jede gute DVD-Sammlung.

Während das Original eher die Vergewaltigung(en) der Jennifer Hill auf äußerst unangenehme Art und Weise zelebrierte, legt das Remake seinen Fokus stärker auf ihre Rache. Zumindest fällt Jennifers Rache an den Vergewaltigern ein gutes Stück derber und härter aus als im Original, während die ursprünglichen Vergewaltigungsszenen schon eher ein wenig abgemildert wirken. Vor allem, wenn man das mit anderen aktuellen Werken wie z.B. Irreversible vergleicht, der dort ganz andere Massstäbe setzte, anders als das Remake von The Last House On The Left, das ebenfalls schon ein wenig abgemildert wurde.

Mein Fazit: Ein äußerst gut gelungenes, hartes und dem Original würdiges Remake. Für den Freitag der ideale Abschlussfilm.

 

#6 – Essential Killing

Film Nummer 6. Der Einstiegsfilm des Samstags. Aber WTF war das denn bitte? Der war hier mal völlig fehl am Platz, der erste Totalausfall im Programm.

Dabei ist der Film nicht mal per se schlecht. Er kann sogar einen gewissen Anspruch und eine nicht geringe Portion Sozialkritik aufweisen, was aber absolut nicht zu diesem Festival passt. Das ist eher etwas für ruhige zwei Stunden zuhause auf der Couch, nicht für den ersten Sendeplatz am Samstagnachmittag. Muss ich auch nicht wirklich ein zweites Mal sehen.

 

#7 – Burke & Hare

Simon Pegg ist zurück. Anstatt Nick Frost spielt Andy Serkis (Gollum!) an seiner Seite. Auch Tim Curry und Christopher Lee tauchen hier auf.

Zusammen auf lustiger Kadaverbeschaffungstour. Fuckin‘ brilliant, ’nuff said! Hat nicht allen Anwesenden gefallen, aber ich war hin und weg.

 

#8 – Mother’s Day

Film Nummer acht, Remake Nummer drei. Noch ein erstaunlich gutes Remake, das glücklicherweise nichts mit dem Original gemeinsam hat. Bis auf den Fernseher.

Während das Original damals noch einigermaßen unterhalten konnte, war es kein besonders ernster Vertreter seiner Gattung. Teilweise schon eher unfreiwillig komisch – aus heutiger Sicht noch viel mehr. Heute ist der Film nur noch wegen seines Nostalgiefaktors interessant, da kam das Remake gerade zur rechten Zeit.

Deutlich ernster als im Original geht es hier also zur Sache, die ursprüngliche Handlung hat man ebenfalls komplett über Bord geworfen. Statt unschuldige Mädels in das Haus ganz tief im Wald zu entführen, fällt die Bande hier in ein Haus mitten in einer Kleinstadt ein, in dem gerade eine Party steigt. Diese Party wird den Besuchern (zumindest den Überlebenden unter ihnen) noch lange im Gedächtnis bleiben.

Durchaus einer der besseren Filme des Festivals und sehr empfehlenswert. Allerdings nicht gerade der härteste oder intensivste.

 

#9 – I Saw The Devil

Kurz gesagt: Das war der beste und krasseste Selbstjustiz-Rachefilm seit Sympathy for Mr Vengeance!

Ein irrer Serienkiller sucht sich das falsche Opfer – er tötet die Verlobte eines Agenten. Dieser tickt vollkommen aus. Zuerst sucht er diverse Verdächtige auf, die er nach und nach auf unterschiedlichen Methoden ihrer „Möglichkeiten“ beraubt. Als er schließlich den eigentlichen Täter gefunden hat, richtet er diesen übel zu – lässt ihn aber überleben, nur um ihn weiterhin auf Schritt und Tritt zu verfolgen und immer wieder zu überraschen, immer wieder härter zuzuschlagen und ihn zu malträtieren. Doch er unterschätzt den Killer und begeht einen großen Fehler, was in einem intensiven Blutbad enden wird, das seinesgleichen sucht.

Der Film ist nicht ganz so depressiv und nihilistisch wie beispielsweise Sympathy For Mr Vengeance, der in dieser Hinsicht vollkommen neue Welten aufgezeigt hat, aber er kommt ungleich intensiver daher. Am Ende ist man sich nicht mal mehr sicher, wer der im Titel angesprochene Teufel eigentlich ist – der Killer oder der Cop? Beide gehen über Leichen, nur ihre Motivation unterscheidet sie noch.

Was hier gezeigt wird, überschreitet Grenzen – der Film musste in seinem Herkunftsland Südkorea um ganze sieben Minuten geschnitten werden, die ungekürzte Fassung durfte nicht gezeigt werden. Auf dem Festival lief er glücklicherweise ungekürzt, auch auf DVD/BD ist diese Version (in Deutschland in der „Black Edition“ von Splendid) zu haben.

Lange Zeit war Sympathy For Mr Vengeance für mich das Nonplusultra was Rachefilme anbelangt. Weder die zwei Quasi-Fortsetzungen in der Vengeance-Trilogie von Park Chan-Wook (Oldboy und Lady Vengeance) noch andere Vertreter der Gattung konnten ihm lange Zeit das Wasser reichen. Doch nun ist der Film gekommen, der meinen bisherigen Liebling vom Thron stoßen konnte. Das war das Highlight dieses Festivals und wäre der ideale Abschlussfilm gewesen, denn über diesen Film denkt man noch lange nach.

Um noch mehr Lust auf den Film zu wecken sollte man unbedingt auch noch dieses Review lesen, welches mein inzwischen leider verstorbener Freund Gert geschrieben hat. Den Film hatte ich noch mit ihm zusammen geschaut. 🙁

An dieser Stelle sollte jeder an dieser Filmgattung Interessierte mit dem Mauszeiger über dem Bestellbutton schweben. Klicken, los! Aber vorsicht: Die deutsche Version mit 18er-Freigabe ist um mehr als zehn Minuten geschnitten. Nur die „Black Edition“ ist hierzulande ungeschnitten. Alternativ kann man auf die US-Fassung (in voller Länge) zugreifen, die englische (UK) beispielsweise ist ebenfalls geschnitten.

 

#10 – Wake Wood

Der Abschluss des Samstags und damit des ganzen Festivals. Mittelmaß aus dem Hause Hammer, weder Fisch noch Fleisch. Gucken, vergessen. Schlechte Wahl für den Festival-Abschluss!

Ich kann mich ehrlich gesagt kaum noch an den Film erinnern, viel ist nicht hängen geblieben. EinPaar verliert sein einziges Kind und versucht sich anschließend an Pet Sematary-mäßigen Wiederbelebungsmethoden, was allerdings blutige Folgen nach sich zieht. Nichts besonderes, wirklich nicht. Das gab es schon zehnmal besser umgesetzt.

Statt diesem Film hätte man lieber I Saw The Devil als finalen Film zeigen sollen, denn der hat eingeschlagen wie eine Bombe und einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

FFFN 2011 #4 – The Troll Hunter [Trolljegeren]

Weiter geht es mit Film Nummer vier, dann wären wir auch schon fast beim Finale des Freitags angelangt.

Troll Hunter ist ein norwegischer Beitrag zum Festival. Während der Film von einigen scheinbar schon länger gespannt erwartet wird, hatte ich auch hier im Vorfeld keine Erwartungen oder Vorstellungen. Ausser dem Begriff „Mockumentary“ war mir nichts bekannt. Und das war gut so, denn umso mehr und umso positiver hat mich der Film überrascht.

Über die Auswahl dieses Filmes habe ich mich zuerst ein klein wenig gewundert, da er in kurzer Zeit noch regulär im Kino zu sehen sein wird. Eher selten, dass so ein Film dann im Rahmen dieses Festivals läuft. Aber nach dem Genuss des Films im norwegischen O-Ton mit englischen Untertiteln will ich nichts dagegen gesagt haben, denn er hat von Anfang bis Ende gerockt und sich als das zweite Highlight des Festivals herausgestellt.

Prinzipiell ist der Film erstmal eine Handkamera-Mockumentary. Diese Filmwelle fand ihren Ursprung mehr oder weniger durch den hierzulande indizierten Klassiker Cannibal Holocaust, der leider und völlig zu Unrecht bis heute viel zu wenig Beachtung bekommen hat. In Form von zahlreichen Filmen wie beispielsweise Blair Witch ProjectCloverfield, Diary of the DeadRedactedParanormal Activity und [Rec] wurde das Genre in leicht abgeänderten, aber immer auch prinzipiell ähnlichen Formen über die letzten Jahre weiter ausgeweitet. Nun findet diese Art des embedded filmmaking, wie es beispielsweise von der Splatting Image treffend bezeichnet wird, mit diesem Film vorläufig einen neuen Höhepunkt.

Dieses Werk repräsentiert nun eine gekonnte Weiterführung dieser Linie und gleichzeitig eine Parodie all seiner Vorgänger zusammen. The Blair Troll Project in Norwegen also. Doch nicht nur das, der Film führt so vieles auf äußerst gelungene Weise zusammen. Ein wenig Horror mit Spannung, ein wenig Action, sehr gutes Schauspiel und vor allem eins: viel Humor, äußerst liebenswerten und sympathischen Humor.

If there is a bunch of inbred pig-farmers waiting for us in there, your ass is first on the line.

Eine Gruppe Filmstudenten möchte eine Dokumentation über einen Trolljäger drehen. Anfangs glaubt noch niemand der Beteiligten wirklich an die Existenz der Trolle, man möchte mehr oder weniger nur den Trolljäger als Hochstapler bloßstellen. Doch das wird sich bald ändern. Nachdem der Trolljäger Hans die Gruppe zuerst zurückweist und keine Interviews geben möchte, hängt man sich kurzerhand 24/7 an seine Fersen und filmt heimlich, bis wirklich der erste Troll auftaucht und der alte, erfahren Jäger zur Hilfe eilen muss.

So stellen die Studenten bald fest, dass Trolle wirklich existieren und die norwegische Regierung diesen Umstand seit Jahren sehr aufwendig vertuscht. Und mit aufwendig meine ich aufwendig. So findet man beispielsweise heraus dass Hochspannungsleitungen vielerorts gar nicht zum Transport von Elektrizität benutzt werden, sondern lediglich als eine Art Weidezaun für Trolle dienen, damit diese ihr Revier nicht verlassen. Und Immigranten werden dafür bezahlt, Trollspuren zu verwischen, indem sie tote Bären beschaffen und strategisch in verwüsteten Waldgebieten verteilen.

– The tracks you see here in the area are from a Russian bear, who has come through Finland and Sweden. The bear stores his food under the bridge here.

– Isn’t that strange behavior?

– Not for a Russian bear. They are accustomed to long, harsh winters. So they hoard like squirrels.

Diese Vertuschungsaktionen alleine sorgen im Film schon für derart viele Lacher, dass es eine wahre Pracht ist dabei zuzuschauen. Es gibt hier auch keinen Haudrauf-Holzhammerhumor, sondern der Film nimmt sich teils sogar sehr subtil selbst auf die Schippe. OK, auch den Holzhammerhumor gibt es, aber eher selten und wenig störend.

Ein gutes Beispiel dafür sind die vielen Interviews. Schon immer erfreuten sich in derartigen Mockumentaries eingestreute Fake-Interviews großer Beliebtheit, so zum Beispiel die Interviews mit den Anwohnern in Blair Witch Project, in denen man diese nach der Hexe befragte. Hier befragt man beispielsweise einen Angestellten des Elektrizitätswerks. Dieser wundert sich überhaupt nicht darüber, dass Strommasten ins tiefe Nirgendwo führen, ohne dort auch nur einen einzigen Verbraucher weit und breit angeschlossen zu haben, um irgendwann in einem großen Kreis zu enden.

Ein weiteres Beispiel für den cleveren und subtilen Humor sind die vielen unauffälligen Kommentare und politischen Anspielungen. So sagt der Trolljäger Hans einmal im Vorbeifahren an einem Strommast, dass er diesen sehr schön findet. Das ist eine Anspielung auf eine immer noch andauernde Diskussion in Norwegen, bei der es um den Bau von Strommasten von Geiranger nach Bergen geht, über den Geirangerfjord. Dabei handelt es sich um eine der schönsten und ländlichsten Gegenden in Norwegen. Bei dieser Diskussion geht es haupsächlich darum, dass die Strommasten hässlich sind und die schöne Natur verschandeln. Zumindest bestätigt das diese Quelle.

Das Zusammenspiel all dieser Faktoren macht den Film zum neuen Meister seiner Klasse. Die Schauspieler machen ihre Sache allesamt sehr gut, allen voran Otto Jespersen, der die Rolle des schrulligen Trolljägers Hans wirklich brilliant verkörpert. Man hält ihn nicht für einen Schauspieler. Man kauft ihm die Trolljagd jederzeit voll und ganz ab. Der Mann passt unglaublich perfekt in diese Rolle. Aber auch der Rest der kleinen Truppe kann überzeugen.

Fazit: Schaut euch diesen Film an. Unbedingt.

Fun facts am Rande: Jens Stoltenberg, ein norwegischer Politiker, spielt sich selbst und nimmt sich damit selbst auf die Schippe.
Otto Jespersen sollte mal für einen Monat ins Gefängnis gehen, weil er während einer Comedyshow eine amerikanische Flagge verbrannt hat. Aus unbekannten Gründen konnte er der Haftstrafe entgehen.

Noch ein Fakt, allerdings weniger lustig: Der Mann war mit ein paar Kollegen auch in Thailand am Strand, als sich dort 2004 der Tsunami ereignete.

FFFN 2011 #3 – Kidnapped [Secuestrados]

Damit wären wir schon beim dritten Film der diesjährigen Fantasy Filmfest Nights. Ein neuer spanischer Beitrag zur Terrorfilm-/Eskalationsfilmwelle. Und was für einer!

Anfangs hatte ich keine wirkliche Vorstellung der bevorstehenden Handlung. Ausser dem Titel selbst wusste ich nichts über dem Film, daher hatte ich mehr mit einem normalen Geiselnahmethriller gerechnet, aber je länger die Laufzeit fortschritt, umso intensiver und spannender wurde dieses Stück Film. Er wirkt unglaublich direkt und real, hart, düster und konsequent bis zum letzten Moment. Der Schluss ist unglaublich böse und rundet damit den Film perfekt ab wie ein Schlag ins Gesicht.

Dieser bitterböse Film gefiel mir um Längen besser als die ganzen französischen Filme, die sich zwar Terrorfilme schimpfen aber dann entweder vor Logiklöchern und Dummheit nur so bersten (Inside), strunzdumm sind und mit Scheisscharakteren und deren Handlungen nerven (Frontier(s) oder gar Calvaire als noch besseres Beispiel), oder einfach in der Langeweile und Belanglosigkeit versumpfen (Martyrs). Die kann man alle getrost höchstens einmal schauen und dann wieder vergessen. Nach High Tension kam meiner Meinung aus Frankreich kein wirklich guter Terrorfilm mehr, jetzt sind wohl die Spanier an der Reihe es besser zu machen.

Und das haben sie hiermit vollbracht. Viel möchte ich zur genauen Handlung gar nicht schreiben. Nur die Grundzüge: Drei maskierte Männer dringen in ein frisch bezogenes Haus ein und nehmen die ansässige Familie, namentlich Vater, Mutter und Tochter, in ihre Gewalt. Die drei möchten Geld. Das war’s dann auch schon, mehr sollte man gar nicht beim Namen nennen.

Das Genre „Thriller“ reicht hier als Bezeichnung wirklich nicht mehr aus, um den Film treffend zu beschreiben. Alles andere ausser „Terrorfilm“ ist untertrieben. Denn nichts anderem als blankem Terror wird man hier ausgesetzt. Eine heutzutage schon fast alltägliche Ausgangssituation, von der man anfangs noch glaubt, man könne ihr entkommen, wird zum vollkommenen Albtraum.

Man sollte den Film einfach unvorbereitet auf sich wirken lassen, darin versinken, ihn „genießen“. Prinzipiell ist hier alles recht realistisch gehalten. Alles, was man hier zu sehen bekommt, könnte jedem einzelnen von uns in der Realität ganz genau so passieren. Man vergisst seine Umgebung und ist mittendrin und unglaublich gepackt. Man fiebert mit den Opfern mit, zuckt mit ihnen zusammen, kann die Angst und Bedrohung förmlich selbst spüren. Nichts wirkt unrealistisch, es wird nicht übertrieben. Es gibt keinen Humor, auch nicht angedeutet, das wäre hier völlig fehl am Platz. Das macht den Film so unglaublich stark und intensiv und damit zum ersten wirkliche Highlight des Festivals. Der erste Pflichtfilm, den eigentlich jeder einmal schauen müsste. Manch einer wird ihn nie wieder sehen wollen. Ich werde ihn mit Sicherheit sofort in die Sammlung stellen, wenn eine BD verfügbar wird.

Wegen solcher Filme haben diese Festivals ihre Daseinsberechtigung. Solche Filme haben den Begriff „Terrorfilm“ geprägt und verdient. Punkt.

FFFN 2011 #2 – The Hole 3D

Weiter geht’s mit den FFFN-Reviews. The Hole lief am Freitag als zweiter Film auf den Fantasy Filmfest Nights in Frankfurt. Der Film hat durchaus seine Qualitäten und wäre meiner Meinung nach als lockerer Eröffnungsfilm deutlich besser geeignet gewesen als 13 Assassins.

Glücklicherweise hat der Film nichts mit seinem miserablen Namensvetter von 2001 mit Thora Birch zu tun.

Die zwei Brüder Dane und Lucas finden gemeinsam mit einem Mädel aus der Nachbarschaft, Jamie, ein Loch im Keller ihres gerade frisch bezogenen Hauses im letzten Kaff vor dem Ende der Welt. Das Loch sorgt nicht nur für so einige Wortspiele unter den Kids. Es hat weder einen sichtbaren Boden noch Wände oder andere erkennbare Grenzen, das stellen die Jugendlichen schnell fest. Man wirft Dosen voller Nägel und allerlei anderen Kram in das Loch, man beleuchtet es mit allen Taschenlampenkräften, doch weder lässt sich irgendein Geräusch noch etwas anderes erkennen. Auch eine langsam an einer Schnur herabgelassene Handkamera bringt kein befriedigendes Ergebnis – aber dem Zuschauer die erste Belustigung, als im Hintergrund auf der Videoaufzeichnung ein böses Auge in die Kamera linst, was aber aufgrund einer Ablenkung keines der Kids bemerkt.

So schnell wie das Loch gefunden wurde, hat man es auch schon wieder vergessen – bis die ersten spukenden Nebeneffekte der Entdeckung zu Tage befördert werden. Kleine Mädchen schleichen in bester Ringu-Tradition in der dunklen Gegend umher, Spielzeugclowns werden plötzlich lebendig, jeder der Jugendlichen wird von seinen ganz eigenen Dämonen verfolgt.

Eins gleich vorweg, der Film ist von Anfang bis Ende vollkommen vorhersehbar. Es passiert rein gar nichts an Überraschungen, keine Plottwists, keine besonderen Höhen, keine Tiefen (abgesehen von denen des Lochs, höhöhö), nichts. Nur eine sehr straighte Story, wie sie aus jedem 80er Teeniehorrorfilm stammen könnte. Aber eins muss man dem Film lassen: Diese Standardware ist äußerst ansprechend verpackt und präsentiert. Die drei jungen Darsteller tragen den Film fast völlig alleine; es macht schon Spass ihnen zuzuschauen wenn gar nichts besonderes passiert, so sympathisch präsentieren sich die Protagonisten. Gerade Fans guter alter Horrorkost (und auch Fans des Regisseurs Joe Dante, der uns früher beispielsweise mitThe Howling, den teuflischen Nachbarn in The ‚burbs den Gremlins und Piranhas beglückte), dürften auf ihre Kosten kommen.

Mich hat der Film aufgrund seiner Grundhandlung und der Darsteller oft vor allem an The Gate erinnert, der schon früher einer meiner Lieblinge war. Dort hatte der mittlerweile bekanntere Stephen Dorff einen seiner ersten Auftritte als die junge Hauptfigur Glenn. Auch dort spielt sich fast alles von den jungen Darstellern getragen fast völlig ohne Erwachsene ab, auch dort sind die Monster gar nicht sooooo böse, alles wirkt irgendwie ein klein wenig ähnlich. Ich will Dante kein Plagiat vorwerfen, ganz im Gegenteil – ihm ist eine sehr schöne Hommage gelungen. Keine Bombe, kein Meisterwerk, keine Überraschung, aber einfach ein von Anfang bis Ende sympathischer und unterhaltsamer Film. Nicht nur diesen und ähnliche Filme, auch seine eigenen nimmt er gekonnt auf die Schnippe.

Den Film in 3D zu drehen und anzuschauen war allerdings völlig unnötig. Ausser den zwei bis drei üblichen 3D-Füllszenen (ein Ball wird Richtung Kamera geworfen, ein Türknauf ragt bedrohlich ins Bild, Titten werden ins Bild gestreckt Piranha 3D wird dem Zuschauer wohlwollend ins Gedächtnis gerufen) gibt es hier rein gar nichts zu sehen. Wirkt bestimmt in 2D sogar noch sympathischer und entspannter mit Sicherheit auch.

Wer sich an sympatischem 80er-like Teeniehorror erfreuen kann, wird hier nichts falsch machen.

FFFN 2011 #1 – 13 Assassins [Jûsan-nin no shikaku]

13 Assassins lief in Frankfurt als Eröffnungsfilm der Fantasy Filmfest Nights 2011 am Freitag. Ein klassischer Samuraifilm von Takashi Miike, einem der produktivsten japanischen Regisseure überhaupt. Der 50-Jährige hat mittlerweile über 80 Filme gedreht. Darunter ist von spannenden Meisterwerken wie Audition über durgeknallte lyncheske Hirnverknotungsfilme wie Gozu, einfach nur durchgeknallte Filme wie Dead or Alive oder Visitor Q, Superheldenfilme wie Zebraman, Splatterknaller wie Ichi the Killer oder Fudoh bis hin zu langweiligen, belanglosen Werken wie Izo wirklich alles zu finden. Einen neuen Miike kann man vorher qualitativ oder auch inhaltlich fast nie richtig einschätzen, man muss immer mit allem rechnen. Wenn man genug Filme von Miike gesehen hat wundert man sich irgendwann über gar nichts mehr.

13 Assassins gehört zweifellos zu Miikes besseren Filmen, aber nicht zu seinen besten, dafür fehlt noch einiges. Es handelt sich dabei um ein Remake des Klassikers von 1963 mit gleichem Titel, im Original Jûsan-nin no shikaku. Lustigerweise schienen die Veranstalter der Nights zumindest in Frankfurt gar nicht zu wissen, dass es sich hierbei um ein Remake handelt – wann immer man von Remakes sprach, zählte man nur die anderen beiden im Programm auf, dieses hat man scheinbar übersehen.

Der Film handelt von zwölf Samurai, die sich gemeinsam auf die Mission begeben einen Herrscher zu assassinieren. Zwölf? Ja, genau, zwölf Attentäter. Der dreizehnte im Bunde ist nämlich weder Samurai noch Attentäter, er hat mit der ganzen Sache nichts zu tun und stößt auch nur rein zufällig hinzu. Aber dennoch wird er eine wichtige Rolle spielen…

Der Film fängt damit an, einige Hintergründe zu beleuchten, welche den Herrscher als eine wahre Bestie in Menschengestalt darstellen. Der Sohn des letzten Shogun und Bruder des aktuellen Shogun, wie er sich selbst gerne überheblich vorstellt, begeht so einige grausame Taten, die seinen Tod für den Zuschauer von Anfang an rechtfertigen. So trennt er beispielsweise einem weiblichen Opfer alle vier Gliedmaßen ab, reißt ihr anschließend die Zunge raus, und verwendet sie dann als Gespielin, bis es ihm langweilig wird und er sie im Regen völlig hilflos vor die Tür wirft.

Die ersten zwei Drittel des Filmes sind generell (von kurzen Miike-typischen Ausbrüchen der Gewalt abgesehen) sehr ruhig gehalten, dialoglastig und eher actionarm. Man sollte definitiv keinen Swordsplay-Film à la Azumi oder Versus erwarten, das wird hier zwar auch am Rande geboten, steht aber keinesfalls im Mittelpunkt. Der Film wird von seiner Handlung und seinen dreizehn Protagonisten sowie deren Antagonist getragen. Vielleicht war das für einen Eröffnungsfilm nicht unbedingt die beste Wahl, meistens eignet sich da eher etwas lockeres, lustiges. Die ersten zwei Drittel des Films waren dafür eher zu anspruchsvoll, zu gemächlich.

Im letzten Drittel dreht sich das ganze dann allerdings vollkommen, wir sehen ein sehr langgezogenes Finale, in dem Miikes Handschrift deutlich durchscheint. Die Dialoge und die Ruhe treten langsam in den Hintergrund, der Film fängt an abzudrehen wie das der typische Miike eben tut. Hier wird ein ganzes Dorf mit Fallen gespickt; das Spektrum reicht dabei von brennenden und amoklaufenden Wasserbüffeln die durch die Menschenmassen wüten, bis hin zu explodierenden Häusern, die in einer sprichwörtlichen Flut von Blut ertränkt werden. Alles ist hier völlig over the top und die dreizehn Assassinen metzeln sich auf äußerst kreative Art und Weise und sehr unterhaltsam durch die 200köpfige Gegnerschar bis zum Endgegner durch. Das 45minütige Finale kann fast schon langatmig wirken, wenn man mit dem Gebotenen nicht so viel anfangen kann – ich fand es super. Und das Minifinale im Finale dreht dann nochmal wirklich auf.

Insgesamt bin ich mit dem Film zufrieden, der könnte irgendwann durchaus in meine Sammlung wandern. Lediglich für einen Eröffnungsfilm war die Wahl eher suboptimal, da die ersten zwei Drittel doch etwas zu ruhig waren. Sowas hätte gut in die Mitte gepasst. Abschließend: Daumen hoch!