Halbmarathon: Deutsche Weinstraße 2012

Heute war der große Tag – ich bin, zusammen mit einigen Kollegen, beim achten Halbmarathon an der Deutschen Weinstraße angetreten.

Dieser Lauf war der Hauptgrund beziehungsweise die größte Motivationshilfe für meine verstärkten Trainingseinheiten in der letzten Zeit. Mir persönlich fällt es immer sehr viel leichter, mich zu regelmäßigem Training zu motivieren, wenn ich einen konkreten Termin im Hinterkopf habe, der sich stets schneller nähert als geplant. So war es auch dieses Mal, aber ich habe es tatsächlich geschafft, drei Trainingsläufe über die komplette Halbmarathondistanz innerhalb der letzten vier Wochen zu absolvieren. Das ist der dreifache Umfang dessen, was ich 2008 im Training hinter mich brachte.

Ein wenig Hintergrundgeschichte: 2008 bin ich bei meinem ersten (und noch bis heute Morgen einzigen) Halbmarathon angetreten. Das war der Limlauf in Limbach, mein Heimspiel sozusagen, da ich zu der Zeit noch dort wohnte. Damals schaffte ich eine Zeit von 2:12:31 und wurde der 14. meiner Altersklasse, obwohl es eigentlich mein einziges Ziel gewesen war, überhaupt aus eigener Kraft ins Ziel zu kommen. Dass ich heute diese Zeit nicht würde schlagen können war mir schon länger bewusst, denn obwohl ich zur Zeit sehr viel mehr trainiere und mich schon lange vorbereite, komme ich an meine alten Laufzeiten im Moment noch nicht wieder ran. Aber es wird so langsam wieder, das war heute spürbar.

Es begann ganz gemächlich. Wir kamen gerade wieder vom Parkplatz zurück, wo wir uns laufbereit gemacht hatten, da ertönte schon das Startsignal – es blieb uns also nichts anderes übrig, als uns ganz hinten im letzten Startblock einzureihen, fernab unserer eigentlich gesetzten Zielzeiten. Somit galt es erst, eine ganze Menge langsamerer Läufer zu überholen, was auf der zu Beginn nicht wirklich breiten Strecke gar nicht so einfach war. So lief ich den ersten Kilometer in knapp 7 Minuten, was eigentlich schon deutlich zu langsam für meine geheime Wunschzeit war. So ging es auf den ersten Kilometern noch einige Zeit weiter. Man hatte Mühe, sich durch die Menge zu kämpfen. Andererseits war das vielleicht auch nicht verkehrt, da es dadurch einfacher wurde, sich zu bremsen. Ich mache sonst zu leicht den Fehler, am Anfang zu schnell zu laufen und mich zu übernehmen, weil gegen Ende keine Kraft mehr übrig bleibt.

So ging es eine Weile weiter, bis das Feld sich nach den ersten Kilometern etwas auseinander gelaufen hatte. Die Kilometermarken zogen dann eigentlich immer schneller vorbei, bis irgendwann die Weiche zwischen dem Halbmarathon und Marathon erreicht war und sich dadurch die Reihen der Läufer natürlich noch etwas weiter lichteten. Dann kam auch schon die 10km Zwischenmessung. Die genaue Zeit kann ich noch nicht nachsehen, weil die Ergebnisse noch nicht online sind, aber ich war nur knapp über einer Stunde. Das war eigentlich schon fast zu schnell, in dem Tempo hätte ich meine 2008er Zeit sogar unterboten. Ich fing an zu zweifeln, ob ich das Tempo halten kann.

Nun ging es allerdings auch in immer hügeligeres Gebiet. Die ersten sehr knackigen Steigungen machten mir in den Weinfeldern schon sehr zu schaffen, so musste ich hier schon ein oder zwei Gehpausen einlegen. Durchwachsen ging es dann auch weiter. Es war abwechselnd warm und kalt, meine Kraftreserven fingen an zu schwinden, die Kilometer wurden immer länger. Irgendwann war ich tatsächlich bei Kilometermarke 18 angekommen. Dort hatte ich erst so richtig mit der längsten Steigung zu kämpfen. Es ging immer weiter und länger bergauf, ich hatte keine Kraftreserven mehr, mein Magen fing schon an sich zu verkrampfen, meine Beinmuskulatur machte sich auch schon seit einiger Zeit immer mehr bemerkbar. Ich wechselte ständig zwischen Geh- und Lauftempo hin und her, wurde schneller und wieder langsamer, immer wieder, bis ich irgendwann tatsächlich oben war. Mein Gehirn war hier schon vollkommen im Standby-Modus gelandet, wie eigentlich mein kompletter Körper oberhalb der Gürtellinie. Nur noch die Beine wurden durchblutet, meine Hände waren eiskalt, ich bin nur noch irgendwie automatisch weiter gelaufen, immer weiter, bloß nicht stehenbleiben. Irgendwie wird es schon funktionieren.

Tatsächlich war ich auf der Zielgeraden angekommen, ich hatte den Berg irgendwie überlebt. Blöderweise war diese Gerade immer noch ungefähr zwei Kilometer lang. Ich kämpfte mich langsam immer weiter vorwärts, wurde immer öfter von anderen Läufern überholt, die ich vorher irgendwann einmal passiert hatte. Es ging irgendwie weiter, aber es hat so verflucht lange gedauert, das Ziel wollte einfach nicht ins Blickfeld rücken.

Dann auf einmal tauchte der große Torbogen auf. Von den jubelnden Zuschauern habe ich an dieser Stelle schon kaum noch etwas mitbekommen. Irgend ein Moderator erwähnte meinen Namen, ich freute mich, bin irgendwie ins Ziel getaumelt. Ich weiß noch, dass ich versuchte, für die Kamera noch irgendwie fit zu wirken. Nachdem meine Kollegen mich erblickten und anfingen zu winken, bin ich nur noch neben ihnen auf die Wiese gefallen und wurde mit Bananen und isotonischen Getränken versorgt. Dort bin ich eine ganze Weile sitzen geblieben, bis es irgendwann Richtung Siegerehrung ging.

Lange Rede, kurzer Sinn: 2:20:33.

Auf meinem letzten, längeren Trainingslauf hatte ich die Halbmarathondistanz laut meiner Endomondo-Messung nach 2:32:28 überwunden. Dagegen war der heutige Wettkampf also eine zwölfminütige Steigerung, obwohl die Laufstrecke noch einiges mehr an fiesen Höhenmetern zu bieten hatte als meine typischen Trainingsstrecken. In Anbetracht meiner Trainingszeiten war der Lauf also ein voller Erfolg, aber im Vergleich zu meinen alten Zeiten sehe ich, dass ich doch noch etwas mehr trainieren muss, damit es irgendwann auch einmal der magischen Zwei-Stunden-Grenze an den Kragen gehen kann.

Meine Kollegen haben mich übrigens alle fast mühelos abgehängt, der schnellste legte den Lauf in 1:39:00 zurück. An solche Traumzeiten werde ich realistisch betrachtet vermutlich nie rankommen 😀

Hier noch unser schönes Gruppenfoto, entstanden kurz nach meinem Zieleinlauf. Ich war noch nicht soweit, wieder aus eigener Kraft aufstehen zu können, während die Kollegen sich allesamt schon fast wieder völlig erholt hatten. 😉

52 Games #11 – Tiere: Donkey Kong Country

Wenn ich an Tiere in Videogames denke, seien es Protagonisten oder nur Nebenfiguren, dann fällt mir zu allererst Donkey Kong Country von der guten alten Softwareschmiede Rare ein. DKC war für mich eines der großartigsten Highlights der SNES-Ära. Hier gibt es keine Menschen, nur die unterschiedlichsten Tierarten beleben das Spiel. Donkey Kong, der bekannteste Gorilla der Videospielgeschichte, spielt die Hauptrolle. Vorher war er nur der böse Affe und erster Gegenspieler des Klempners Mario, hier musste er sich erstmals als der sympathische Protagonist behaupten.

Damals war DKC von Anfang an etwas besonderes. Es war grafisch eine absolute Wucht. Im Grunde war es natürlich ein ganz zweidimensionales und klassisches Spiel, aber die Grafik war derart wunderschön gezeichnet und räumlich, wirkte richtig plastisch, so dass selbst die ersten Spiele der folgenden Konsolengeneration (N64 & PSX) dagegen relativ schlecht aussahen.

Es zog zwei Fortsetzungen (nur auf dem SNES, später kam da natürlich noch mehr) nach sich, alle habe ich begeistert gespielt, aber der beste und unterhaltsamste Teil war für mich immer das Original. Wenn ich mich an die gute alte SNES-Zeit erinnere, denke ich im Grunde fast immer an dieses Spiel. Noch heute habe ich viele Levels und Szenen glasklar im Gedächtnis. Der Dschungel, die Fahrt durch die Minen, der Gletscher, das Schiff… Donkey Kong Country konnte ich immer und immer wieder durchspielen, ohne dass es langweilig geworden wäre.

Und erst die Musik, diese großartige Musik! Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich damals mit einem Kassettenrekorder vor dem Fernseher saß und versucht habe, die Titelmelodie in einigermaßen hörbarer Qualität aufzunehmen. Jetzt habe ich die Melodie schon wieder im Ohr… Gleich mal auf Spotify suchen! Da, gefunden: Donkey Kong Country Theme. Aber auch die Melodie, die im Hintergrund während dem letzten Bosskampf lief, blieb sehr lange im Ohr: Gang-Plank Galleon. Spotify ist großartig! Das hier sind natürlich nicht ganz die Originale, sondern 8-bit-style Remixe, aber sie kommen dem damaligen Klang ziemlich nah. Hier sind noch zwei YouTube-Links zu den Originalen: Theme & Bosskampf. Und noch ein Gitarrencover. Jetzt bekomme ich diese Melodie wieder tagelang nicht aus dem Kopf…

Aber zurück zum eigentlichen Thema, ich liebte dieses Spiel. Nicht nur wegen des großartigen Soundtracks, auch wegen der sympathischen Affen, der unglaublich guten Grafik, des einfachen aber doch schwierigen und packenden Gameplays… Mir fällt eigentlich kein einziger Kritikpunkt ein. Eigentlich bekomme ich gerade Lust, das gute alte SNES endlich mal wieder zu entstauben und den Affen zu spielen.

 

Dieser Blogeintrag zum Thema “Tiere” ist ein Teil des Blogprojektes 52 Games von Zockwork Orange. Jede Woche wird ein neues Thema vorgegeben, zu dem es dann ein passendes Spiel zu wählen gilt, über das jeder teilnehmende Blogger seinen Senf in Form eines Blogeintrages abgeben kann.

52 Games #10 – Übernatürlich: The Darkness

Bei Egoshootern bin ich relativ wählerisch. Klar, Kulttitel wie Duke Nukem, Blood, Hexen, Kingpin, Quake, Half-Life (2), die hat jeder gespielt. Die haben mich auch alle begeistert. Mit der immer größer werdenden Masse an Auswahl in diesem speziellen Genre wurde allerdings auch mein Anspruch immer höher. Ich lasse mich nicht von jedem Shooter begeistern, im Gegenteil. So fand ich Killzone 2 beispielsweise ziemlich langweilig und war froh, es mir nicht gekauft zu haben. Halo und Resistance interessieren mich nicht die Bohne, brauche ich nicht. Egal wie sehr ein Spiel gelobt wird, heute brauche ich da einfach ein Argument mehr, zuzugreifen.

Ein Shooter braucht etwas besonderes, mindestens ein Element, das ihn vom Einheitsbrei abhebt und für mich interessant(er) macht. Auf der aktuellen Konsolengeneration war ich da schon ziemlich wählerisch und habe viele für mich irrelevante Titel einfach ausgelassen. Die Titel, die mich dann überzeugen konnten, haben mich umso mehr begeistert. Nehmen wir Timeshift als ein Beispiel. Die Spielerei mit dem Ablauf der Zeit war mehr als nur Unterhaltung. Man konnte im Laufe des Spiels die Zeit verlangsamen, stoppen, sogar rückwärts ablaufen lassen. Teilweise hat dieser Umstand das Spiel einfach nur leichter gemacht, indem man Fehler noch schnell korrigieren oder die Gegner verlangsamen konnte und damit weniger Probleme hatte, sie aus dem Weg zu räumen. Teilweise war es aber auch ein Mechanismus, ohne den das Spiel nicht zu bewältigen war, da manches in der normal ablaufenden Zeit einfach nicht möglich war.

Doch Timeshift ist nur ein Beispiel. Die Modern Warfare Reihe gehört für mich – auch wenn sich darüber nun viele amüsieren werden, angesichts der anderen Titel, die ich oben als uninteressant gelistet habe – ebenso zu diesen wenigen Spielen, die etwas besonderes haben. Sie sind einerseits einfach bombastisch inszeniert, die Michael Bay Filme in der Videospielwelt, sozusagen. Teilweise geben sie einen besseren Film ab als so manch echter Film. Wenn ich an die Szenen im ersten Teil denke, die in Prypjat (Tschernobyl) stattfinden, bekomme ich noch Jahre nach dem Genuss des Spiels eine Gänsehaut. Diese Atmosphäre in der fast menschenleeren Stadt war so intensiv umgesetzt wie es kaum ein anderes Spiel (von reinen Horrortiteln mal abgesehen) bisher geschafft hat. Es war ein sehr kurzes Spiel, aber intensiv und unglaublich packend.

Der Shooter The Darkness ist ein weiteres Beispiel für ein Spiel, das sich durch ein besonderes Element auszeichnet – ein übernatürliches Element. Wenn man über das Thema dieses Eintrags länger nachdenkt, würde fast jedes Spiel dazu passen. Übernatürliche Elemente haben sie doch fast alle, und wenn es sich nur um unrealistische Übertreibungen handelt. Auch das angesprochene Timeshift hätte eigentlich wunderbar gepasst, dennoch wähle ich The Darkness – warum?

Das übernatürliche Element, um was es hier eigentlich geht, ist eine Begabung, Fluch und Segen für den Protagonisten des Spiels – Jackie Estacado. Er hat besondere Fähigkeiten, die mit der Dunkelheit eng zusammenhängen. Ein Dämon hat von ihm Besitz ergriffen und verleiht ihm damit die Gabe, seine Feinde mit riesigen Tentakeln zu packen, ihre Herzen zu verschlingen und damit seine eigene Lebenskraft wieder zu regenerieren. Die Dunkelheit ist das zentrale Thema des Spiels. Auch sie hat eine heilende Wirkung auf Jackie. Versteckt er sich im düsteren Schatten, kann er sich selbst regenerieren und seine Kräfte uneingeschränkt benutzen – im hellen Licht ist ihm das jedoch nicht ohne weiteres möglich. Er kann die „Darklinge“ herbei rufen, kleine Dämonen, die ihm tatkräftige Unterstützung in unterschiedlichster Form leisten. Sie erledigen seine Gegner für ihn oder helfen ihm bei anderen Aufgaben.

Die Atmosphäre des Spiels ist fantastisch. Durch das Spiel mit der namensgebenden Dunkelheit ist es natürlich sehr düster (und natürlich relativ blutig) gehalten, aber das ist noch nicht alles. Das Spiel ist nicht mal besonders umfangreich, ich habe es zumindest nicht deutlich länger als zehn Stunden in Erinnerung. Aber es erweckt trotz seiner eigentlich sehr begrenzten Welt den Eindruck von Größe. U-Bahn-Stationen verbinden die unterschiedlichen Abschnitte miteinander, die den Übergang in andere Bereiche symbolisieren. Diese Stationen erwecken den Eindruck, belebt zu sein. Man beobachtet hier unterschiedliche Zeitgenossen, die eigentlich gar nicht am Spiel beteiligt sind, jedoch immer ein geschäftiges Treiben vorgaukeln. Jugendliche sammeln sich in Gruppen und hören Musik, Passanten ziehen vorbei. Es herrscht Bewegung, ein Fluss unterschiedlicher Persönlichkeiten haucht der Umgebung Leben ein.

Die Geschichte ist packend umgesetzt. Sie wirkt persönlich, nicht unnahbar, wie in vielen anderen Spielen. Wir lernen zum Beispiel Jenny, die Freundin des Protagonisten, kennen. Sie begegnet uns oft im Spiel, in ganz unterschiedlichen Situationen, mal erfreulich, mal das genaue Gegenteil. Man kann sich neben sie auf die Couch setzen und einfach nur einen Film schauen. Das Spiel bietet uns unterschiedliche TV-Programme, mehrere vollständige Filme, von denen man sich alleine oder zu zweit einfach berieseln lassen kann. Man hat nicht das Gefühl, hier einen weiteren überflüssigen Charakter zu beobachten. Man weiß irgendwann, wem man da zuschaut, kennt die Persönlichkeiten und deren Freuden und Probleme.

In dieser Hinsicht hat das Spiel fast schon Ähnlichkeiten mit dem allseits beliebten Shenmue aufzuweisen, natürlich in geringerem Umfang. Es ist nicht ansatzweise eine vergleichbare Freiheit vorhanden, ganz im Gegenteil, das Spiel ist vollkommen linear und überlässt uns keine Entscheidungsfreiheit, aber ich als Spieler bemerke das nicht einmal, weil ich von der Atmosphäre und Handlung und der mir vorgetäuschten Freiheit vollkommen gefesselt und begeistert bin. Selten war ich so vertieft in ein derart kurzes Spiel, selten haben mich Schicksalsschläge, die den Charakteren passieren, mehr berührt. Hier ist es sogar mit Heavy Rain auf einer Stufe angekommen. Auch das Spiel war kurz aber intensiv, packend und unglaublich fesselnd, mit einer berührenden Handlung gesegnet.

Das übernatürliche Element macht ziemlichen Spaß. Ich habe kaum Gegner mit den normalen Waffen ausgeschaltet; viel öfter habe ich Jackies dämonische Kräfte genutzt, Herzen aus Gegnern gerissen und verschlungen, Darklinge auf sie gehetzt, während ich mich selbst in der Dunkelheit verborgen hielt. Aber das ist nur ein Punkt, der das Spiel so besonders macht – viel wichtiger war mir die Verpackung, die Handlung. Ich übte Rache aus, für das, was mir angetan wurde – es war kein Spiel mehr, sondern eine persönliche Angelegenheit.

Wenn ein Spiel mich derart fesselt, hat es alles richtig gemacht.

 

Dieser Blogeintrag zum Thema “übernatürlich” ist ein Teil des Blogprojektes 52 Games von Zockwork Orange. Jede Woche wird ein neues Thema vorgegeben, zu dem es dann ein passendes Spiel zu wählen gilt, über das jeder teilnehmende Blogger seinen Senf in Form eines Blogeintrages abgeben kann.

52 Filme #14: Herr der Ringe

Typisch. Hätte ich vor zwei Wochen geahnt, dass die LOTR-Filme noch als eigenes Thema im Rahmen des „52 Filme“ Projektes an die Reihe kommen, hätte ich den Eintrag zu den Buchverfilmungen natürlich einem anderen Film gewidmet. Nun führt kein Weg daran vorbei, nochmal über die Filme zu schreiben, denn diese Themenvorgabe lässt keine andere Wahl zu.

Wenigstens ist es ein Frage-Antwort-Spiel, also immerhin ein wenig Kontrast zum letzten Beitrag. Außerdem werde ich mich dieses Mal wohl etwas kürzer fassen. Los geht’s.

Was kam zuerst: Das Buch oder der Film?

Wie schon im letzten Beitrag ausführlich geschrieben: Die Filme sah ich zuerst. Glücklicherweise – sonst hätte ich die Filme womöglich nicht mal im Kino sehen wollen und hätte dies später wohl bereut.

Warst du im Kino oder hast du bis zur DVD/TV-Veröffentlichung gewartet?

Ich habe jeden der Filme im Kino gesehen. Der erste Teil hat mich noch ein klein wenig überrascht, da ich bis zu diesem Punkt noch keine Erwartungen hatte. Danach war es aber vollkommen klar, dass es sich hierbei um etwas ganz großes handeln wird und somit waren die weiteren Kinobesuche in den folgenden Jahren schon sicher. Nach dem dritten Teil hat mir im Folgejahr einfach etwas gefehlt, was schon fast zur Routine für mich geworden war.

Was hat dich am meisten beeindruckt?

Im ersten Teil hat mir noch die düstere Atmosphäre am Besten gefallen. Eigentlich hat mich schon das Intro gepackt, aber spätestens bei der Szene mit dem ersten aus der Nähe sichtbaren Nazgul am Rand des dunklen Weges war ich hin und weg, da bekomme ich heute noch eine Gänsehaut. In den Fortsetzungen waren es dann eher die immer gigantischeren Schlachten, die anfangs noch völlig aussichtslos und sicher verloren scheinen aber dann doch im letzten Moment durch einen spontan auftauchenden Retter samt Armee umentschieden werden.

Wer ist dein Herr der Ringe Lieblingscharakter?

Schwere Entscheidung, aber: Aragorn. Schon sein erster Auftritt als zurückhaltender Beobachter und Hobbitretter weiß zu überzeugen, seine spätere Präsenz ist unglaublich. Bei der großen Feier gegen Ende – Stichwort: „My friends. You bow to no one.“ – bekomme ich auch heute noch, nach der x-ten Betrachtung der Reihe, leicht feuchte Augen. Wenn ein Film das schafft, hat er alles richtig gemacht.

Welche Story innerhalb des Filmes hat dir am besten gefallen?

Ganz schwere Entscheidung. Hier müsste ich vieles nennen, aber ich entscheide mich jetzt mal einfach für alles, was Gandalf im Laufe der Trilogie durchmachen muss. Ganz besonders beeindruckend natürlich seine Begegnung mit dem Balrog, der nicht vorbei darf, einschließlich des folgenden Kampfes und seiner überraschenden Rückkehr. Aber auch die Nebenhandlung um Saruman war spannend – „Nebenhandlung“, weil sie lustigerweise aus der Kinofassung des dritten Teils komplett entfernt wurde, weswegen Christopher Lee nicht ganz unberechtigterweise not amused war. Von all den Schlachten, die er durch seine Mithilfe mitentschieden hat, ganz zu schweigen.

Welcher Teil von Herr der Ringe hat dir am besten gefallen?

Auch das ist eine schwere Entscheidung. Die Fragen sind aber auch fies. 😀 Eigentlich weigere ich mich, einen Teil auszuwählen. Wenn ich müsste, würde ich wohl entweder den ersten (wegen seiner düsteren Atmosphäre) oder den dritten Teil (wegen der gigantischsten aller Schlachten und einer epischen Rede nach der anderen) wählen. Aber ich lasse es und sehe die Reihe als ein Gesamtwerk, das man nicht trennen sollte.

Gibt es etwas, dass du von der Handlung her geändert hättest?

Nein. Wobei… siehe nächste Frage!

Was hat dir im Film so gar nicht gefallen?

Das einzige, was mich ein kleines Bisschen gestört hat, war die spätere Entwicklung zwischen den drei Gefährten Frodo, Sam und Gollum. Dass Frodo sich hier so leicht in Gollums Bann ziehen lässt und dabei seinem besten Freund so schnell misstraut, war mir immer ein Dorn im Auge. Außer diesem kleinen Kritikpunkt wüsste ich nicht viel an der Verfilmung auszusetzen. „Gar nicht gefallen“ wäre hier allerdings ein wenig übertrieben ausgedrückt, denn letzten Endes hätte ich auch nicht gewusst, wie man diese Situation hätte anders darstellen können. Vielleicht wäre es dann auch unglaubwürdig geworden.

Wirst du dir den kleinen Hobbit angucken?

Natürlich, daran führt kein Weg vorbei. Es gibt zwar dieses Jahr Filme, auf die ich persönlich noch ein wenig gespannter warte (Prometheus & The Dark Knight Rises – an beide habe ich mittlerweile unglaublich hohe Erwartungen), aber der Hobbit steht zumindest auf Platz 3 meiner Most-Wanted-Liste und wird dann auch gebührend zelebriert. Es wird endlich mal Zeit, die Reihe auf BD anzuschaffen.

 

Dieser Blogeintrag zum Thema “Der Herr der Ringe” ist ein Teil des Blogprojektes 52 Filme von Halliway. Jede Woche wird ein neues Thema vorgegeben, zu dem es dann einen passenden Film zu wählen gilt, über den jeder teilnehmende Blogger seinen Senf in Form eines Blogeintrages abgeben kann.

52 Games #9 – Klang: Brütal Legend

Das Thema Klang bietet einen großen Spielraum. Man könnte über den Soundtrack eines Spiels schreiben, oder aber die Bedeutung eher auf die subtilen Klänge im Hintergrund eines Spiels beziehen: Das leise Geräusch, wenn sich in Resident Evil ein Zombie annähert, der noch nicht im Sichtfeld aufgetaucht ist; die unheilvollen Klänge, die eine nahende Bedrohung verkünden, bevor diese sichtbar wird. OK, es reicht erstmal mit den Subtilitäten. Bleiben wir beim Klang, pardon: Krach. Metal. Brutal Metal! Brütal Legend!

Brütal Legend contains some blood and gore, including dismemberment and occasional beheadings, whenever it is necessary for the plot, historical accuracy, or to look awesome.
– Okay, but only when it really would look very awesome!

Ursprünglich hatte ich an das Spiel eigentlich gar keine großen Erwartungen. Vor allem hatte ich kein so abwechslungsreiches Spiel erwartet. Meine Erwartung war eigentlich immer gewesen, einen sehr einfachen God of War-Klon, nur eben mit geilem Soundtrack, zu bekommen. GoW-Klone sind ja nun per se nichts schlechtes – so ist doch beispielsweise Heavenly Sword eines der wenigen Spiele, die mir auf der PS3 bis heute den meisten Spaß überhaupt gemacht haben. Es steckte voller Überraschungen und war von Anfang bin Ende super. Ein kleines Bisschen Hoffnung hatte ich also, auch in diesem Fall doch etwas mehr zu bekommen als einen einfallslosen Klon mit besserer Musik. Und diese Hoffnung wurde ganz und gar nicht enttäuscht!

Es geht simpel los. Jack Black wird uns als wie immer sympathische Hauptfigur Eddie vorgestellt, ihn muss man einfach mögen. Man schlägt sich mit Eddie, dem besten Roadie einer nicht weiter erwähnenswerten Metalband, lustig durch die fremde Welt und trifft dort alsbald auf Eddies Love Interest Ophelia. Die Handlung ist nicht überraschend, aber ansprechend verpackt. Die vielen Gastauftritte der virtuellen Gegenstücke von Ozzy Osbourne, Lita Ford, Kyle Gass, Lemmy Kilmister und Tim Curry runden das Ganze immer wieder ab und würzen das Spiel mit einer riesigen Portion Selbstironie. Doch die normale Action im GoW-Stil ist nicht das, was mir am Spiel den meisten Spaß bereitet hat. Klar, schon von Anfang an ist es relativ abwechslungsreich gehalten, durch die Fahrzeugpassagen und unterschiedlichen Aufgabenstellungen wird es nicht langweilig. Doch der Höhepunkt waren für mich die strategischen Parts – die Rock Battles, bei denen man seine Truppen im Command & Conquer-Stil über das Schlachtfeld kommandiert, die eigene Basis – oh, Verzeihung, die eigene Stage – verteidigt, während man die Stage des Gegners platt zu machen versucht. Man erntet hier selbstverständlich kein Tiberium, sondern Fans, um seine Armee ausbauen zu können. Doch hier kann man sich im Gegensatz zur alten Strategiespiel-Garde auch selbst aktiv ins Geschehen einmischen und muss den Gegnern eigenhändig eins überbraten – zumindest in den späteren Kämpfen, denn anders geht es kaum noch, wenn das Spiel immer fordernder wird. Und all das natürlich untermalt von herrlichen Metalklängen, denn wir wollen das eigentliche Thema dieses Beitrags ja nicht vergessen.

Völlig hin und weg war ich, als zum ersten Mal „Her Ghost in the Fog“ von Cradle of Filth im Hintergrund während eines Rock Battles ertönte. Kein Meisterwerk der Musik – aber einer der wenigen Songs der Band, die ich gut finde und die mir sofort ins Ohr gehen und dort immer ewig lange bleiben, wie beispielsweise auch „Death of Love“, der allerdings nicht im Spiel vorkommt. Schade eigentlich, der hätte auch gut gepasst. Ab diesem Punkt habe ich relativ häufig den aktuell laufenden Song auf CoF abgeändert, weil der einfach super zum Geschehen passte.

An Brütal Legend ist so vieles so unglaublich gut. Jack Blacks Beteiligung. Die Musik. Die Spielmechanik. Die Abwechslung. Es macht einfach Spaß ohne Ende. Es fängt beim Klang an, hört dort aber noch lange nicht auf. Eine abgedrehte und unterhaltsame Geschichte, Metalklänge, Romantik, Kitsch, Spannung, Action, Strategie, Humor und Spaß – was könnte man denn noch mehr wollen?

Abschließend noch die beiden lustig aufgemachten Warnungen, die man zu Beginn vor den ersten blutigen Szenen und den ersten Flüchen zu Gesicht bekommt:

Dieser Blogeintrag zum Thema “Klang” ist ein Teil des Blogprojektes 52 Games von Zockwork Orange. Jede Woche wird ein neues Thema vorgegeben, zu dem es dann ein passendes Spiel zu wählen gilt, über das jeder teilnehmende Blogger seinen Senf in Form eines Blogeintrages abgeben kann.