Das koreanische Filmarchiv KOFA

Die werte Sarah hat da etwas gefunden. Das koreanische Filmarchiv KOFA, online erreichbar unter http://www.koreafilm.org, hat es sich zur Aufgabe gemacht, sich um die Archivierung und den Erhalt jedes koreanischen Filmmaterials zu bemühen. Unter dem Slogan “don’t throw film away” sammelt das zur FIAF (International Federation of Film Archives) gehörige Archiv seit 1974 alles, was an Material existiert und noch zugänglich ist.

Die Geschichte des Archivs ist schon sehr interessant zu lesen und seine Arbeit ist sowieso sehr lobenswert, besonders erwähnenswert ist jedoch der YouTube-Account dieser Organisation. Das Archiv stellt auf YouTube einen Teil der klassischen Filmkunst frei zur Verfügung. Hierbei handelt es sich um mittlerweile rechtefrei gewordene Filme, eine ganz bunt gemischte Auswahl von den 40er Jahren bis in die 90er. Die gebotene Qualität ist unterschiedlich, teilweise etwa auf DVD-Niveau, teilweise sogar in HD bis zu 1080p. Alle Filme liegen dort im koreanischen Originalton vor und sind englisch untertitelt.

Die einzelnen Filme sind hinter diesem Link aufgelistet. Dort gibt es sie auch noch in diversen Playlisten thematisch sortiert.

Ich bin zwar schon seit Jahren ein großer Freund des koreanischen Kinos, aber innerhalb dieser Auswahl der älteren Klassiker kenne ich bisher noch keinen einzigen Film. Hier schlummert sicherlich der eine oder andere Schatz, den man entdecken könnte. Ein guter Tipp für alle Freunde des asiatischen Kinos.

Gut gelaufen!

Heute, gegen 9:30 Uhr in der Frühe, war ich ganz spontan beim “Beilsteinlauf” angetreten. Hierbei handelt es sich um einen 10km-Lauf in der Gegend um das Örtchen Hochspeyer, drei Orte von hier entfernt.

Von diesem Lauf habe ich erst am späten Donnerstagabend erfahren, daher freut es mich umso mehr, dass es so spontan noch geklappt hat, mit meinem alten “Internetbekannten” Alex aus Dossenheim und zwei Arbeitskollegen teilzunehmen.

Eigentlich hatte ich in den letzten Monaten gezielt auf einen Halbmarathon (beziehungsweise mehrere, über das restliche Jahr verteilt) hin trainiert, aber so einen spontanen, kleinen 10er Lauf kann man doch immer dazwischen schieben. Da sich meine Zeiten auf den kürzeren Strecken seit dem Halben vor zwei Wochen stark verbessert haben, wollte ich austesten, wie schnell ich die 10km eigentlich schaffen kann, wenn ich hinterher nicht noch weitere 11km laufen muss. Kürzlich hatte ich im Training die 55 Minuten knapp unterboten, diesen persönlichen “Rekord” wollte ich heute etwas tiefer stecken. Das hat leider nicht so ganz funktioniert. Aber mehr dazu später.

Eigentlich war das ein sehr schöner Lauf in einer hübschen Gegend. Mit dem Wetter hatten wir wieder tierisches Glück, denn während des Wettkampfes kam kein einziger Tropfen vom Himmel. Matschig war die Strecke auch nicht. Sie führte von Hochspeyer aus quer durch den Wald hinauf bis zu einer alten Burgruine und von dort wieder abwärts in den Ort zurück. Bis auf eine sehr steile Steigung kurz vor der Ruine, die sich zumindest subjektiv ziemlich lange gezogen hat und wirklich verdammt knackig war, ging der restliche Lauf immer wieder leicht bergauf und bergab; im Großen und Ganzen war das Höhenprofil damit deutlich angenehmer als an der Weinstraße vor zwei Wochen.

Der Start war etwas schleppend abgelaufen, man konnte sich zuerst schlecht “freilaufen”. Es hat schon ungefähr 20 Sekunden gedauert, bis ich überhaupt die Startlinie erreicht hatte. Die ersten vier Kilometer gingen dann relativ einfach von der Hand beziehungsweise den Füßen. Ich hatte ein gutes Tempo für mich gefunden und konnte es auch relativ konstant durchziehen. Auf dem dritten Kilometer habe ich mit 4:22 sogar meine bisher schnellste Zeit überhaupt geschafft, zumindest seit ich das mit Endomondo genauer verfolge. Die erwähnte Steigung bei Kilometer 5 hat mich dann allerdings etwas mehr Kraft und Nerven gekostet als erwartet. Ich kam nur schlecht nach oben; es waren viele langsamere Läufer “im Weg”, die man auf diesem sehr schmalen Streckenabschnitt teilweise nur schlecht und unter hoher Anstrengung überholen konnte, obwohl die Kondition prinzipiell ein schnelleres Tempo zugelassen hätte. Hier hatten alle ein wenig gelitten, aber das macht doch den Spaß bei bergigen Läufen aus.

Danach ging es wieder besser voran. Es ging im Schnitt auf der zweiten Streckenhälfte natürlich mehr bergab als bergauf und nachdem ich mich wieder ein wenig von der Steigung erholt hatte, konnte ich hier wieder etwas beschleunigen.

Bis zur neunten Kilometermarke dachte ich eigentlich, ich läge noch gut in der Zeit, um mein Ziel zu erreichen. Irrtum! Bei 9km säuselte mein Smartphone plötzlich “nine kilometers in fifty minutes and…” und ich bekam einen kleinen Schreck. Mist! Die Steigung hatte mich stärker ausgebremst als gedacht. Jetzt müsste ich den zehnten Kilometer in Rekordzeit laufen, um meine Traumzeit noch zu schaffen. Nicht besonders realistisch, obwohl es eigentlich ab diesem Punkt nur noch bergab ging. Dennoch habe ich es versucht und einfach Vollgas gegeben, so gut ich noch konnte. Kurz bevor meine Startnummer am Ziel eingescannt werden konnte, lief ich jedoch noch in einen kleinen Stau, der sich gebildet hatte, weil zu viele Läufer auf einen Schlag im Ziel eingetroffen sind. Das hat mich wieder ein paar Sekunden gekostet.

Meine offizielle Zielzeit: 0:55:38. Damit war ich leider, wie beim neunten Kilometer schon befürchtet, 39 Sekunden zu langsam, um mein selbstgesetztes Ziel “unter 55 Minuten” zu erreichen. Einerseits war das natürlich etwas bitter, da ich diese Zeit im Training schon unterboten hatte. Allerdings könnte man hier wegen der erwähnten Faktoren noch einiges abziehen. Beim Start waren es locker 20-30 Sekunden, bis ich tatsächlich nach dem Startschuss die Startlinie auch überqueren konnte. Dann kam die fiese Rampe zur Burg hinauf. Vor der Ziellinie habe ich nochmal weitere schmerzhafte Sekunden verloren. Diese Probleme bei Start und Ziel hat man bei Laufwettkämpfen ohne Chipmessung allerdings fast immer, das lässt sich prinzipbedingt schlecht vermeiden. Davon abgesehen war der Andrang dieses Jahr scheinbar auch viel stärker als vom Veranstalter erwartet – wenn ich mir die Ergebnisliste des letzten Jahres anschaue, waren dieses Jahr mehr als dreimal so viele Läufer am Start.

Aber das ist alles Gejammer auf hohem Niveau. Letzten Endes war die Strecke anspruchsvoller als meine Trainingsstrecke(n) und somit bin ich mit meiner ersten offiziellen 10er-Zeit durchaus zufrieden. Für den zehnten Platz in meiner Altersklasse hat es noch gereicht. Vor vier bis acht Wochen hätte ich das noch nicht geschafft. Ich freue mich auf die nächsten Läufe, vor allem auf die restlichen Halbmarathonstrecken, die ich mir dieses Jahr noch vorgenommen habe. Drei Halbe werden es 2012 noch mindestens werden. Und auf mindestens einem wird die Zwei-Stunden-Grenze geknackt, damit das klar ist! :)

Hier noch der Link zu meinem Endomondo-Mitschnitt: http://www.endomondo.com/workouts/saG5rFZvj8Y

Halbmarathon: Deutsche Weinstraße 2012

Heute war der große Tag – ich bin, zusammen mit einigen Kollegen, beim achten Halbmarathon an der Deutschen Weinstraße angetreten.

Dieser Lauf war der Hauptgrund beziehungsweise die größte Motivationshilfe für meine verstärkten Trainingseinheiten in der letzten Zeit. Mir persönlich fällt es immer sehr viel leichter, mich zu regelmäßigem Training zu motivieren, wenn ich einen konkreten Termin im Hinterkopf habe, der sich stets schneller nähert als geplant. So war es auch dieses Mal, aber ich habe es tatsächlich geschafft, drei Trainingsläufe über die komplette Halbmarathondistanz innerhalb der letzten vier Wochen zu absolvieren. Das ist der dreifache Umfang dessen, was ich 2008 im Training hinter mich brachte.

Ein wenig Hintergrundgeschichte: 2008 bin ich bei meinem ersten (und noch bis heute Morgen einzigen) Halbmarathon angetreten. Das war der Limlauf in Limbach, mein Heimspiel sozusagen, da ich zu der Zeit noch dort wohnte. Damals schaffte ich eine Zeit von 2:12:31 und wurde der 14. meiner Altersklasse, obwohl es eigentlich mein einziges Ziel gewesen war, überhaupt aus eigener Kraft ins Ziel zu kommen. Dass ich heute diese Zeit nicht würde schlagen können war mir schon länger bewusst, denn obwohl ich zur Zeit sehr viel mehr trainiere und mich schon lange vorbereite, komme ich an meine alten Laufzeiten im Moment noch nicht wieder ran. Aber es wird so langsam wieder, das war heute spürbar.

Es begann ganz gemächlich. Wir kamen gerade wieder vom Parkplatz zurück, wo wir uns laufbereit gemacht hatten, da ertönte schon das Startsignal – es blieb uns also nichts anderes übrig, als uns ganz hinten im letzten Startblock einzureihen, fernab unserer eigentlich gesetzten Zielzeiten. Somit galt es erst, eine ganze Menge langsamerer Läufer zu überholen, was auf der zu Beginn nicht wirklich breiten Strecke gar nicht so einfach war. So lief ich den ersten Kilometer in knapp 7 Minuten, was eigentlich schon deutlich zu langsam für meine geheime Wunschzeit war. So ging es auf den ersten Kilometern noch einige Zeit weiter. Man hatte Mühe, sich durch die Menge zu kämpfen. Andererseits war das vielleicht auch nicht verkehrt, da es dadurch einfacher wurde, sich zu bremsen. Ich mache sonst zu leicht den Fehler, am Anfang zu schnell zu laufen und mich zu übernehmen, weil gegen Ende keine Kraft mehr übrig bleibt.

So ging es eine Weile weiter, bis das Feld sich nach den ersten Kilometern etwas auseinander gelaufen hatte. Die Kilometermarken zogen dann eigentlich immer schneller vorbei, bis irgendwann die Weiche zwischen dem Halbmarathon und Marathon erreicht war und sich dadurch die Reihen der Läufer natürlich noch etwas weiter lichteten. Dann kam auch schon die 10km Zwischenmessung. Die genaue Zeit kann ich noch nicht nachsehen, weil die Ergebnisse noch nicht online sind, aber ich war nur knapp über einer Stunde. Das war eigentlich schon fast zu schnell, in dem Tempo hätte ich meine 2008er Zeit sogar unterboten. Ich fing an zu zweifeln, ob ich das Tempo halten kann.

Nun ging es allerdings auch in immer hügeligeres Gebiet. Die ersten sehr knackigen Steigungen machten mir in den Weinfeldern schon sehr zu schaffen, so musste ich hier schon ein oder zwei Gehpausen einlegen. Durchwachsen ging es dann auch weiter. Es war abwechselnd warm und kalt, meine Kraftreserven fingen an zu schwinden, die Kilometer wurden immer länger. Irgendwann war ich tatsächlich bei Kilometermarke 18 angekommen. Dort hatte ich erst so richtig mit der längsten Steigung zu kämpfen. Es ging immer weiter und länger bergauf, ich hatte keine Kraftreserven mehr, mein Magen fing schon an sich zu verkrampfen, meine Beinmuskulatur machte sich auch schon seit einiger Zeit immer mehr bemerkbar. Ich wechselte ständig zwischen Geh- und Lauftempo hin und her, wurde schneller und wieder langsamer, immer wieder, bis ich irgendwann tatsächlich oben war. Mein Gehirn war hier schon vollkommen im Standby-Modus gelandet, wie eigentlich mein kompletter Körper oberhalb der Gürtellinie. Nur noch die Beine wurden durchblutet, meine Hände waren eiskalt, ich bin nur noch irgendwie automatisch weiter gelaufen, immer weiter, bloß nicht stehenbleiben. Irgendwie wird es schon funktionieren.

Tatsächlich war ich auf der Zielgeraden angekommen, ich hatte den Berg irgendwie überlebt. Blöderweise war diese Gerade immer noch ungefähr zwei Kilometer lang. Ich kämpfte mich langsam immer weiter vorwärts, wurde immer öfter von anderen Läufern überholt, die ich vorher irgendwann einmal passiert hatte. Es ging irgendwie weiter, aber es hat so verflucht lange gedauert, das Ziel wollte einfach nicht ins Blickfeld rücken.

Dann auf einmal tauchte der große Torbogen auf. Von den jubelnden Zuschauern habe ich an dieser Stelle schon kaum noch etwas mitbekommen. Irgend ein Moderator erwähnte meinen Namen, ich freute mich, bin irgendwie ins Ziel getaumelt. Ich weiß noch, dass ich versuchte, für die Kamera noch irgendwie fit zu wirken. Nachdem meine Kollegen mich erblickten und anfingen zu winken, bin ich nur noch neben ihnen auf die Wiese gefallen und wurde mit Bananen und isotonischen Getränken versorgt. Dort bin ich eine ganze Weile sitzen geblieben, bis es irgendwann Richtung Siegerehrung ging.

Lange Rede, kurzer Sinn: 2:20:33.

Auf meinem letzten, längeren Trainingslauf hatte ich die Halbmarathondistanz laut meiner Endomondo-Messung nach 2:32:28 überwunden. Dagegen war der heutige Wettkampf also eine zwölfminütige Steigerung, obwohl die Laufstrecke noch einiges mehr an fiesen Höhenmetern zu bieten hatte als meine typischen Trainingsstrecken. In Anbetracht meiner Trainingszeiten war der Lauf also ein voller Erfolg, aber im Vergleich zu meinen alten Zeiten sehe ich, dass ich doch noch etwas mehr trainieren muss, damit es irgendwann auch einmal der magischen Zwei-Stunden-Grenze an den Kragen gehen kann.

Meine Kollegen haben mich übrigens alle fast mühelos abgehängt, der schnellste legte den Lauf in 1:39:00 zurück. An solche Traumzeiten werde ich realistisch betrachtet vermutlich nie rankommen :D

Hier noch unser schönes Gruppenfoto, entstanden kurz nach meinem Zieleinlauf. Ich war noch nicht soweit, wieder aus eigener Kraft aufstehen zu können, während die Kollegen sich allesamt schon fast wieder völlig erholt hatten. ;)

52 Games #11 – Tiere: Donkey Kong Country

Wenn ich an Tiere in Videogames denke, seien es Protagonisten oder nur Nebenfiguren, dann fällt mir zu allererst Donkey Kong Country von der guten alten Softwareschmiede Rare ein. DKC war für mich eines der großartigsten Highlights der SNES-Ära. Hier gibt es keine Menschen, nur die unterschiedlichsten Tierarten beleben das Spiel. Donkey Kong, der bekannteste Gorilla der Videospielgeschichte, spielt die Hauptrolle. Vorher war er nur der böse Affe und erster Gegenspieler des Klempners Mario, hier musste er sich erstmals als der sympathische Protagonist behaupten.

Damals war DKC von Anfang an etwas besonderes. Es war grafisch eine absolute Wucht. Im Grunde war es natürlich ein ganz zweidimensionales und klassisches Spiel, aber die Grafik war derart wunderschön gezeichnet und räumlich, wirkte richtig plastisch, so dass selbst die ersten Spiele der folgenden Konsolengeneration (N64 & PSX) dagegen relativ schlecht aussahen.

Es zog zwei Fortsetzungen (nur auf dem SNES, später kam da natürlich noch mehr) nach sich, alle habe ich begeistert gespielt, aber der beste und unterhaltsamste Teil war für mich immer das Original. Wenn ich mich an die gute alte SNES-Zeit erinnere, denke ich im Grunde fast immer an dieses Spiel. Noch heute habe ich viele Levels und Szenen glasklar im Gedächtnis. Der Dschungel, die Fahrt durch die Minen, der Gletscher, das Schiff… Donkey Kong Country konnte ich immer und immer wieder durchspielen, ohne dass es langweilig geworden wäre.

Und erst die Musik, diese großartige Musik! Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich damals mit einem Kassettenrekorder vor dem Fernseher saß und versucht habe, die Titelmelodie in einigermaßen hörbarer Qualität aufzunehmen. Jetzt habe ich die Melodie schon wieder im Ohr… Gleich mal auf Spotify suchen! Da, gefunden: Donkey Kong Country Theme. Aber auch die Melodie, die im Hintergrund während dem letzten Bosskampf lief, blieb sehr lange im Ohr: Gang-Plank Galleon. Spotify ist großartig! Das hier sind natürlich nicht ganz die Originale, sondern 8-bit-style Remixe, aber sie kommen dem damaligen Klang ziemlich nah. Hier sind noch zwei YouTube-Links zu den Originalen: Theme & Bosskampf. Und noch ein Gitarrencover. Jetzt bekomme ich diese Melodie wieder tagelang nicht aus dem Kopf…

Aber zurück zum eigentlichen Thema, ich liebte dieses Spiel. Nicht nur wegen des großartigen Soundtracks, auch wegen der sympathischen Affen, der unglaublich guten Grafik, des einfachen aber doch schwierigen und packenden Gameplays… Mir fällt eigentlich kein einziger Kritikpunkt ein. Eigentlich bekomme ich gerade Lust, das gute alte SNES endlich mal wieder zu entstauben und den Affen zu spielen.

 

Dieser Blogeintrag zum Thema “Tiere” ist ein Teil des Blogprojektes 52 Games von Zockwork Orange. Jede Woche wird ein neues Thema vorgegeben, zu dem es dann ein passendes Spiel zu wählen gilt, über das jeder teilnehmende Blogger seinen Senf in Form eines Blogeintrages abgeben kann.

52 Games #10 – Übernatürlich: The Darkness

Bei Egoshootern bin ich relativ wählerisch. Klar, Kulttitel wie Duke Nukem, Blood, Hexen, Kingpin, Quake, Half-Life (2), die hat jeder gespielt. Die haben mich auch alle begeistert. Mit der immer größer werdenden Masse an Auswahl in diesem speziellen Genre wurde allerdings auch mein Anspruch immer höher. Ich lasse mich nicht von jedem Shooter begeistern, im Gegenteil. So fand ich Killzone 2 beispielsweise ziemlich langweilig und war froh, es mir nicht gekauft zu haben. Halo und Resistance interessieren mich nicht die Bohne, brauche ich nicht. Egal wie sehr ein Spiel gelobt wird, heute brauche ich da einfach ein Argument mehr, zuzugreifen.

Ein Shooter braucht etwas besonderes, mindestens ein Element, das ihn vom Einheitsbrei abhebt und für mich interessant(er) macht. Auf der aktuellen Konsolengeneration war ich da schon ziemlich wählerisch und habe viele für mich irrelevante Titel einfach ausgelassen. Die Titel, die mich dann überzeugen konnten, haben mich umso mehr begeistert. Nehmen wir Timeshift als ein Beispiel. Die Spielerei mit dem Ablauf der Zeit war mehr als nur Unterhaltung. Man konnte im Laufe des Spiels die Zeit verlangsamen, stoppen, sogar rückwärts ablaufen lassen. Teilweise hat dieser Umstand das Spiel einfach nur leichter gemacht, indem man Fehler noch schnell korrigieren oder die Gegner verlangsamen konnte und damit weniger Probleme hatte, sie aus dem Weg zu räumen. Teilweise war es aber auch ein Mechanismus, ohne den das Spiel nicht zu bewältigen war, da manches in der normal ablaufenden Zeit einfach nicht möglich war.

Doch Timeshift ist nur ein Beispiel. Die Modern Warfare Reihe gehört für mich – auch wenn sich darüber nun viele amüsieren werden, angesichts der anderen Titel, die ich oben als uninteressant gelistet habe – ebenso zu diesen wenigen Spielen, die etwas besonderes haben. Sie sind einerseits einfach bombastisch inszeniert, die Michael Bay Filme in der Videospielwelt, sozusagen. Teilweise geben sie einen besseren Film ab als so manch echter Film. Wenn ich an die Szenen im ersten Teil denke, die in Prypjat (Tschernobyl) stattfinden, bekomme ich noch Jahre nach dem Genuss des Spiels eine Gänsehaut. Diese Atmosphäre in der fast menschenleeren Stadt war so intensiv umgesetzt wie es kaum ein anderes Spiel (von reinen Horrortiteln mal abgesehen) bisher geschafft hat. Es war ein sehr kurzes Spiel, aber intensiv und unglaublich packend.

Der Shooter The Darkness ist ein weiteres Beispiel für ein Spiel, das sich durch ein besonderes Element auszeichnet – ein übernatürliches Element. Wenn man über das Thema dieses Eintrags länger nachdenkt, würde fast jedes Spiel dazu passen. Übernatürliche Elemente haben sie doch fast alle, und wenn es sich nur um unrealistische Übertreibungen handelt. Auch das angesprochene Timeshift hätte eigentlich wunderbar gepasst, dennoch wähle ich The Darkness – warum?

Das übernatürliche Element, um was es hier eigentlich geht, ist eine Begabung, Fluch und Segen für den Protagonisten des Spiels – Jackie Estacado. Er hat besondere Fähigkeiten, die mit der Dunkelheit eng zusammenhängen. Ein Dämon hat von ihm Besitz ergriffen und verleiht ihm damit die Gabe, seine Feinde mit riesigen Tentakeln zu packen, ihre Herzen zu verschlingen und damit seine eigene Lebenskraft wieder zu regenerieren. Die Dunkelheit ist das zentrale Thema des Spiels. Auch sie hat eine heilende Wirkung auf Jackie. Versteckt er sich im düsteren Schatten, kann er sich selbst regenerieren und seine Kräfte uneingeschränkt benutzen – im hellen Licht ist ihm das jedoch nicht ohne weiteres möglich. Er kann die “Darklinge” herbei rufen, kleine Dämonen, die ihm tatkräftige Unterstützung in unterschiedlichster Form leisten. Sie erledigen seine Gegner für ihn oder helfen ihm bei anderen Aufgaben.

Die Atmosphäre des Spiels ist fantastisch. Durch das Spiel mit der namensgebenden Dunkelheit ist es natürlich sehr düster (und natürlich relativ blutig) gehalten, aber das ist noch nicht alles. Das Spiel ist nicht mal besonders umfangreich, ich habe es zumindest nicht deutlich länger als zehn Stunden in Erinnerung. Aber es erweckt trotz seiner eigentlich sehr begrenzten Welt den Eindruck von Größe. U-Bahn-Stationen verbinden die unterschiedlichen Abschnitte miteinander, die den Übergang in andere Bereiche symbolisieren. Diese Stationen erwecken den Eindruck, belebt zu sein. Man beobachtet hier unterschiedliche Zeitgenossen, die eigentlich gar nicht am Spiel beteiligt sind, jedoch immer ein geschäftiges Treiben vorgaukeln. Jugendliche sammeln sich in Gruppen und hören Musik, Passanten ziehen vorbei. Es herrscht Bewegung, ein Fluss unterschiedlicher Persönlichkeiten haucht der Umgebung Leben ein.

Die Geschichte ist packend umgesetzt. Sie wirkt persönlich, nicht unnahbar, wie in vielen anderen Spielen. Wir lernen zum Beispiel Jenny, die Freundin des Protagonisten, kennen. Sie begegnet uns oft im Spiel, in ganz unterschiedlichen Situationen, mal erfreulich, mal das genaue Gegenteil. Man kann sich neben sie auf die Couch setzen und einfach nur einen Film schauen. Das Spiel bietet uns unterschiedliche TV-Programme, mehrere vollständige Filme, von denen man sich alleine oder zu zweit einfach berieseln lassen kann. Man hat nicht das Gefühl, hier einen weiteren überflüssigen Charakter zu beobachten. Man weiß irgendwann, wem man da zuschaut, kennt die Persönlichkeiten und deren Freuden und Probleme.

In dieser Hinsicht hat das Spiel fast schon Ähnlichkeiten mit dem allseits beliebten Shenmue aufzuweisen, natürlich in geringerem Umfang. Es ist nicht ansatzweise eine vergleichbare Freiheit vorhanden, ganz im Gegenteil, das Spiel ist vollkommen linear und überlässt uns keine Entscheidungsfreiheit, aber ich als Spieler bemerke das nicht einmal, weil ich von der Atmosphäre und Handlung und der mir vorgetäuschten Freiheit vollkommen gefesselt und begeistert bin. Selten war ich so vertieft in ein derart kurzes Spiel, selten haben mich Schicksalsschläge, die den Charakteren passieren, mehr berührt. Hier ist es sogar mit Heavy Rain auf einer Stufe angekommen. Auch das Spiel war kurz aber intensiv, packend und unglaublich fesselnd, mit einer berührenden Handlung gesegnet.

Das übernatürliche Element macht ziemlichen Spaß. Ich habe kaum Gegner mit den normalen Waffen ausgeschaltet; viel öfter habe ich Jackies dämonische Kräfte genutzt, Herzen aus Gegnern gerissen und verschlungen, Darklinge auf sie gehetzt, während ich mich selbst in der Dunkelheit verborgen hielt. Aber das ist nur ein Punkt, der das Spiel so besonders macht – viel wichtiger war mir die Verpackung, die Handlung. Ich übte Rache aus, für das, was mir angetan wurde – es war kein Spiel mehr, sondern eine persönliche Angelegenheit.

Wenn ein Spiel mich derart fesselt, hat es alles richtig gemacht.

 

Dieser Blogeintrag zum Thema “übernatürlich” ist ein Teil des Blogprojektes 52 Games von Zockwork Orange. Jede Woche wird ein neues Thema vorgegeben, zu dem es dann ein passendes Spiel zu wählen gilt, über das jeder teilnehmende Blogger seinen Senf in Form eines Blogeintrages abgeben kann.