Im Namen der Kopie: Die Schande des Königs

Gestern Uwe Bolls In the Name of the King: A Dungeon Siege Tale (deutscher Titel: Schwerter des Königs) geschaut.

Nein, das war nichts. Bisher bin ich eher ein Fan der Bollwerke gewesen (das Wortspiel konnte ich mir nicht verkneifen), aber hier hat mich doch einiges gestört. Genauer betrachtet geht hier so ziemlich alles schief.

Zuerst fällt der Look auf. Prinzipiell hat der Film schon ein paar schöne Szenen zu bieten, schöne Kulissen, für ein derartiges Fantasy-Epos gut geeignete Landschaften, düstere Gebirge, alles vorhanden. Aber dennoch ist die Optik unstimmig. Mir fehlen die passenden Worte, das exakt zu beschreiben, aber prinzipiell sieht der Film einfach nicht so hochwertig aus wie er müsste. Es wirkt eher so als hätte man auf Biegen und Brechen versucht, die Optik und den Stil von beispielsweise Lord of the Rings zu kopieren – aber mehr als ein billiges Aneinanderreihen von diversen Versatzstücken und teilweise wirklich identischen Kopien diverser Szenen ist dabei nicht gelungen.

Wenn eine große Armee vor der Schlacht versammelt dargestellt wird, sieht man in richtigen Fantasyfilmen vor lauter Massen, die sich bis zum Horizont erstrecken, keinen Grashalm mehr. Hier fragt man sich wo die restliche Kämpferschar versteckt ist, denn mehr als höchstens ein paar Dutzend Statisten konnte man sich scheinbar wegen der teuren Drehorte nicht mehr leisten.

Die Hochglanzoptik von richtigen Fantasy-Blockbustern wird zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise erreicht.

Bei einer guten Geschichte könnte man das durchaus noch verschmerzen. Die Handlung ist jedoch extrem vorhersehbar, von der ersten Einführung eines jeden Charakters an ist schon vollkommen klar was ihm passieren wird. Ich kenne das Spiel nicht, daher kann ich keine Vergleiche zur Vorlage ziehen und auch nicht beurteilen, ob der Film nah an der Vorlage umgesetzt wurde oder nicht. Aber dieses Grundgerüst, das zumindest als Director’s Cut auf BD auf annähernd drei langweilige Stunden gestreckt wurde, kann zu keiner Zeit auch nur einen Hauch von Spannung aufbauen.

Was für die Optik gilt – die versuchte Erzeugung einer LOTR-Kopie – lässt sich eigentlich ohne Einschränkung auf den kompletten Film ausweiten. Die ganze Handlung wirkt wie ein Flickwerk aus LOTR-Elementen. Die einzelnen Parallelen zu LOTR – oder viel mehr die dreist kopierten Teile der Handlung – aufzuzählen ist aufwendiger als den Rest zu betrachten. Es bleibt nämlich fast nichts an originellem Rest übrig.

Die Krugs, wie man die Ork-Armee des bösen Magus genannt hat.

Die Entführung der Handvoll Opfer durch eben diese genannte Armee.

Die unglaublich lächerlich dahin schwebenden Waldfrauen, die man vermutlich nur verwendet hat, weil eine 1:1-Übernahme der Waldelfen dann doch zu dreist gewesen wäre.

Muriella, gespielt von Leelee Sobieski, die ich eigentlich in ihren früheren Rollen gerne gesehen habe. Sie schwankt je nach Szene zwischen Imitationen von Arwen und Eowyn hin und her.

Die peinlichen Ansprachen der Führer der jeweiligen Armeen vor den Schlachten. Wo in ordentlichen Epen eine Rede gehalten wird, die Mark und Bein erzittern lässt, die Gänsehaut erzeugt, die den Betrachter vor Erfurcht und Respekt staunen lässt – da langweilt man sich hier nur und lacht sich über den peinlichen bösen Neffen des guten Königs halbtot.

Überhaupt, der Neffe, einer der beiden Bösewichte im Film, gespielt von Matthew Lillard – sein Schauspiel hat so gewirkt, als habe er den Film parodieren wollen anstatt wirklich eine ernste Rolle in ihm zu spielen. Der Kerl hat so dermaßen overacted, das lässt sich mit Worten fasst nicht beschreiben. Dagegen war seine Rolle in Scream vor fast 15 Jahren, in dem er aus guten Gründen übertrieben und durchgeknallt wirken sollte, schon fast eine bodenständige und ernste Darbietung gewesen.

Burt Reynolds als der König. Der Pfeil. Man erwartet, dass gleich Boromir erscheint und eine Lizenzgebühr verlangt.

Statham. Genug gesagt, er spielt die selbe Rolle wie immer. Passt oft, hier nicht.

Ray Liotta als der zweite, eigentliche Bösewicht. Nun gut, ihn sieht man meistens weniger gerne, egal in welchem Film er mitspielt. Ausser Identity fällt mir auf Anhieb keine weitere seiner Rollen ein, die mir positiv im Gedächtnis geblieben wäre. Meistens stirbt sein Filmcharakter, das ist gut so.

Eigentlich unvorstellbar, was für eine Menge an vorher zumindest größtenteils hochkarätigen Schauspielern hier vollkommen herz- und hirnlos verheizt wurde. Der Look ist eine billige Kopie, die nie auch nur annähernd die Klasse der Vorlage erreicht, die Handlung ist noch schlimmer.

Wenn ich diesen Film als Gesamtwerk betrachte, komme ich zu dem Schluss, dass Boll doch lieber bei trashigen Umsetzungen von Spielvorlagen wie House of the DeadPostal oder Blood Rayne bleiben sollte, denn dort fühlte ich mich als Betrachter stets gut unterhalten. Diese Filme hatten Charme und man hat genau das bekommen was man wollte: einen starken Trashfaktor, der Spass macht.

Hoffentlich hat wenigstens Far Cry etwas mehr zu bieten, denn der liegt hier noch auf dem ungesehenen Filmstapel…

2 Gedanken zu „Im Namen der Kopie: Die Schande des Königs

  1. Oh ja, Schwerter des Königs war über die weitesten Strecken eine ganz dreiste Kopie von LotR, ich fand ihn aber nicht ganz so furchtbar schrecklich wie du, er konnte mich tatsächlich ab und zu uternalten.

    Far Cry hat ein großes Problem: Chris Coppola. Ansonsten ein ganz okayer Actionfilm mit der (hoffentlich absichtlich) lächerlichsten Liebesszene aller Zeiten, nervt der Typ als Sidekick einfach ungemein. Orrr. Hätte der Herr Doktor mal nicht versucht, ums Verrecken lustig zu sein.

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