FFFN 2011 #4 – The Troll Hunter [Trolljegeren]

Weiter geht es mit Film Nummer vier, dann wären wir auch schon fast beim Finale des Freitags angelangt.

Troll Hunter ist ein norwegischer Beitrag zum Festival. Während der Film von einigen scheinbar schon länger gespannt erwartet wird, hatte ich auch hier im Vorfeld keine Erwartungen oder Vorstellungen. Ausser dem Begriff „Mockumentary“ war mir nichts bekannt. Und das war gut so, denn umso mehr und umso positiver hat mich der Film überrascht.

Über die Auswahl dieses Filmes habe ich mich zuerst ein klein wenig gewundert, da er in kurzer Zeit noch regulär im Kino zu sehen sein wird. Eher selten, dass so ein Film dann im Rahmen dieses Festivals läuft. Aber nach dem Genuss des Films im norwegischen O-Ton mit englischen Untertiteln will ich nichts dagegen gesagt haben, denn er hat von Anfang bis Ende gerockt und sich als das zweite Highlight des Festivals herausgestellt.

Prinzipiell ist der Film erstmal eine Handkamera-Mockumentary. Diese Filmwelle fand ihren Ursprung mehr oder weniger durch den hierzulande indizierten Klassiker Cannibal Holocaust, der leider und völlig zu Unrecht bis heute viel zu wenig Beachtung bekommen hat. In Form von zahlreichen Filmen wie beispielsweise Blair Witch ProjectCloverfield, Diary of the DeadRedactedParanormal Activity und [Rec] wurde das Genre in leicht abgeänderten, aber immer auch prinzipiell ähnlichen Formen über die letzten Jahre weiter ausgeweitet. Nun findet diese Art des embedded filmmaking, wie es beispielsweise von der Splatting Image treffend bezeichnet wird, mit diesem Film vorläufig einen neuen Höhepunkt.

Dieses Werk repräsentiert nun eine gekonnte Weiterführung dieser Linie und gleichzeitig eine Parodie all seiner Vorgänger zusammen. The Blair Troll Project in Norwegen also. Doch nicht nur das, der Film führt so vieles auf äußerst gelungene Weise zusammen. Ein wenig Horror mit Spannung, ein wenig Action, sehr gutes Schauspiel und vor allem eins: viel Humor, äußerst liebenswerten und sympathischen Humor.

If there is a bunch of inbred pig-farmers waiting for us in there, your ass is first on the line.

Eine Gruppe Filmstudenten möchte eine Dokumentation über einen Trolljäger drehen. Anfangs glaubt noch niemand der Beteiligten wirklich an die Existenz der Trolle, man möchte mehr oder weniger nur den Trolljäger als Hochstapler bloßstellen. Doch das wird sich bald ändern. Nachdem der Trolljäger Hans die Gruppe zuerst zurückweist und keine Interviews geben möchte, hängt man sich kurzerhand 24/7 an seine Fersen und filmt heimlich, bis wirklich der erste Troll auftaucht und der alte, erfahren Jäger zur Hilfe eilen muss.

So stellen die Studenten bald fest, dass Trolle wirklich existieren und die norwegische Regierung diesen Umstand seit Jahren sehr aufwendig vertuscht. Und mit aufwendig meine ich aufwendig. So findet man beispielsweise heraus dass Hochspannungsleitungen vielerorts gar nicht zum Transport von Elektrizität benutzt werden, sondern lediglich als eine Art Weidezaun für Trolle dienen, damit diese ihr Revier nicht verlassen. Und Immigranten werden dafür bezahlt, Trollspuren zu verwischen, indem sie tote Bären beschaffen und strategisch in verwüsteten Waldgebieten verteilen.

– The tracks you see here in the area are from a Russian bear, who has come through Finland and Sweden. The bear stores his food under the bridge here.

– Isn’t that strange behavior?

– Not for a Russian bear. They are accustomed to long, harsh winters. So they hoard like squirrels.

Diese Vertuschungsaktionen alleine sorgen im Film schon für derart viele Lacher, dass es eine wahre Pracht ist dabei zuzuschauen. Es gibt hier auch keinen Haudrauf-Holzhammerhumor, sondern der Film nimmt sich teils sogar sehr subtil selbst auf die Schippe. OK, auch den Holzhammerhumor gibt es, aber eher selten und wenig störend.

Ein gutes Beispiel dafür sind die vielen Interviews. Schon immer erfreuten sich in derartigen Mockumentaries eingestreute Fake-Interviews großer Beliebtheit, so zum Beispiel die Interviews mit den Anwohnern in Blair Witch Project, in denen man diese nach der Hexe befragte. Hier befragt man beispielsweise einen Angestellten des Elektrizitätswerks. Dieser wundert sich überhaupt nicht darüber, dass Strommasten ins tiefe Nirgendwo führen, ohne dort auch nur einen einzigen Verbraucher weit und breit angeschlossen zu haben, um irgendwann in einem großen Kreis zu enden.

Ein weiteres Beispiel für den cleveren und subtilen Humor sind die vielen unauffälligen Kommentare und politischen Anspielungen. So sagt der Trolljäger Hans einmal im Vorbeifahren an einem Strommast, dass er diesen sehr schön findet. Das ist eine Anspielung auf eine immer noch andauernde Diskussion in Norwegen, bei der es um den Bau von Strommasten von Geiranger nach Bergen geht, über den Geirangerfjord. Dabei handelt es sich um eine der schönsten und ländlichsten Gegenden in Norwegen. Bei dieser Diskussion geht es haupsächlich darum, dass die Strommasten hässlich sind und die schöne Natur verschandeln. Zumindest bestätigt das diese Quelle.

Das Zusammenspiel all dieser Faktoren macht den Film zum neuen Meister seiner Klasse. Die Schauspieler machen ihre Sache allesamt sehr gut, allen voran Otto Jespersen, der die Rolle des schrulligen Trolljägers Hans wirklich brilliant verkörpert. Man hält ihn nicht für einen Schauspieler. Man kauft ihm die Trolljagd jederzeit voll und ganz ab. Der Mann passt unglaublich perfekt in diese Rolle. Aber auch der Rest der kleinen Truppe kann überzeugen.

Fazit: Schaut euch diesen Film an. Unbedingt.

Fun facts am Rande: Jens Stoltenberg, ein norwegischer Politiker, spielt sich selbst und nimmt sich damit selbst auf die Schippe.
Otto Jespersen sollte mal für einen Monat ins Gefängnis gehen, weil er während einer Comedyshow eine amerikanische Flagge verbrannt hat. Aus unbekannten Gründen konnte er der Haftstrafe entgehen.

Noch ein Fakt, allerdings weniger lustig: Der Mann war mit ein paar Kollegen auch in Thailand am Strand, als sich dort 2004 der Tsunami ereignete.

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